Sonntag, 28.08.2016

Ein Jahr Indien - und, wie wars?

Letzte Woche hat unser Nachbereitungsseminar stattgefunden, in dem wir das vergangene Jahr reflektiert  und nach vorn geschaut haben, wie weiteres Engagement aussehen könnte. Falls ihr Interesse habt, schaut mal auf folgende Seiten:

Foodsharing: überschüssige Lebensmittel werden geteilt - derzeit werden ein Viertel aller weltweit produzierten Lebensmittel verschwendet, über 1,3 Milliarden Tonnen jährlich!

Save Me Kampagne: Engagement für Flüchtlinge

Living Utopia: Projekt für geldfreieres Leben. Der Initiator hat uns besucht und berichtet, was er erreichen wollte, als er über drei Jahre geldfrei gelebt hat. Interessante Ideen!

 

Während des Seminars ist auch folgender Text entstanden, meine Antwort auf die ewige Frage:

Ein Jahr Indien - und, wie wars? Einblicke in Hannahs Kopf

Willst du den Namen des Dorfs wissen, in dem ich gelebt habe

- und was ich dort getan habe?

Möchtest du Bilder sehen

oder soll ich erzählen, wie heiß es war, mit wem ich gelebt habe,

oder dass ich dich vermisst habe?

Soll ich den Sternenhimmel beschreiben,

Spaziergänge durch die Wüste,

Pfaue, Kamele, heilige Kühe -

oder den Müll, den Gestank?

- Kann ich den Duft der Chapatti beschreiben, der morgens durchs Haus weht? -

Willst du hören, dass ich meine indische Mama unglaublich vermisse

oder soll ich lieber von den vielen unglücklichen Missverständinissen mit ihr erzählen?

Du willst wissen, wie Indien ist?

Erzähle ich also vom Strandurlaub,

oder doch von einer kalten Nacht im Himalaya,

wie es ist, bei 50 Grad durch die Wüste zu marschieren?

Willst du hören: ja, die indischen Busse sind so unglaublich überfüllt

ja, das leben ist hart, wenn man mit einem Eimer Wasser duscht.

Dass ich mich dort fremd gefühlt habe

- oder zuhause?

Soll ich von den schillernden Hochzeiten, den Farben und Traditionen erzählen

oder von verschleierten Frauen und Armut.

Von Henna, Tanzen, Lebensfreude, Trauer, Sand, Meer, Bergen, Familie, neuen Freunden, Meera, meinen Schülerinnnen und Schülern, Heimweh, Fernweh, Zugfahrten, Reisen, Schwitzen, Frieren, Lesen, Yoga, Chotu, Jitu und Lalita - lustigen, traurigen, schönen Momenten?

 

Ein Jahr Indien - und, wie wars?

Nun ja, schön wars!

 

Mittwoch, 17.08.2016

Zu Gast in der Landesschau

Schaut mal hier rein :)

Gast aus Stuttgart: Hannah Lange, lebte ein Jahr in einem indischen Wüstendorf

Dienstag, 05.07.2016

Setrawa im Fernsehen

Setrawa kam im Fernsehen, ohne dass wir es mitbekommen haben! Dieser kleine Film über die Self Help Group von Sambhali wurde letztes Jahr gedreht und im Januar ausgestrahlt. Unglaublich, wie Setrawa auf die Distanz wirkt - so bekannt und fremd gleichzeitig, und doch kenne ich eigentlich alle Frauen, die man sieht.

Sonntag, 03.07.2016

Last Impression Report

Hier findet ihr den Abschlussbericht, den ich für Sambhali geschrieben habe. Eine kleine Zusammenfassung des letzten Jahres :)

Dienstag, 28.06.2016

Aufwachen

Wo sind die letzten 11 Monate geblieben?

Ich kann nicht fassen, dass meine Zeit hier nächste Woche zu Ende gehen soll. Nächste Woche! Ich kann mir nicht vorstellen, ins Flugzeug zu steigen und aus dieser chaotischen, bunten und lebensfrohen Welt herausgerissen zu werden - zurück ins saubere, geordnete, (klingt fast nach: ein bisschen langweilige?), Deutschland.

Denn das ist das letzte Jahr für mich gewesen: eine fremde Welt, in die ich eingetaucht bin, die ich kennen- und liebengelernt habe und nun bin ich soweit, dass ich mir das Leben in der deutschen Welt gar nicht mehr vorstellen kann.

Ich fühle mich, als wache ich gerade aus einem langen, turbulenten und wunderschönen Traum auf, als platze eine Blase, in der ich mich die letzten 11 Monate befunden habe. Es ist nicht so, dass die Blase nicht schon vor längerer Zeit ihre ersten Risse bekommen hätte, als ich mich über das Studium informiert habe oder Urlaube mit Freunden und Familie geplant wurden, doch jetzt wird es ernst.

Und obwohl ich mich total freue, meine Familie, meine Freunde, Stuttgart und den Deutschland-Luxus (Cafés, grüne Parks, Regen, Waschmaschine...) wiederzusehen, ist da auf der anderen Seite so viel, von dem ich mich verabschieden muss und das tut weh. Es tut weh und ich kann nichts dagegen tun, außer mir zu sagen, dass das gut ist; ich habe einfach tolle Menschen kennengelernt und eine intensive Zeit erlebt, die ich nie vergessen werde.

Wo die letzten 11 Monate geblieben sind?

Bei Meera, bei meiner Gastfamilie, meinen indischen und deutschen Freunden, bei unglaublichen Erlebnissen, bei mir.

Mittwoch, 15.06.2016

Gesichter Indiens Teil 2

Und so schnell geht es, dass wir wieder unterwegs waren; nach Delhi, Agra, Jaipur und Pokran – wieder ganz andere Welten, andere Gesichter Indiens...

 

... die Hauptstadt

Die Delhi-GruppeDelhi, die Hauptstadt Indiens, ist mit seinen gut 15 Millionen Einwohnern sozusagen die komprimierte Form der Gegensätze Indiens. Wir haben eine ganz neue, sehr moderne Seite von Indien kennengelernt – riesige Shoppingmalls, Clubs und Boutiquen in dem neuen Viertel Hauz Khas -, aber es dauert nur eine Viertelstunde mit der Metro (es gibt eine Metro!), und wir waren wieder im bekannten Getümmel und Chaos.

History lesson in der Metro Das rote Fort von Delhi Chaos vor der Jamia Majid

 

... das romantische Indien

Das Taj Mahal

Dann ging es nach Agra, um das berühmte Wahrzeichen Indiens und „Monument unvergänglicher Liebe“ (wie es im Reiseführe angepriesen wird) mit eigenen Augen zu sehen: das Taj Mahal. Shah Jahan lies es im 17. Jahrhundert für seine verstorbene Frau Mumtaz Mahal bauen. Das Gelände ist so riesig und jedes Gebäude so aufwendig verziert, dass ich gern glaube, dass der Bau 20000 Arbeiter und 22 Jahre benötigt hat.

Das Taj Mahal und die Anlagen, die es umgeben, sind ein riesiges Gesamtkunstwerk. Alles ist perfekt symmetrisch angeordnet: Die Verzierungen, die Bögen, die Farben, selbst die beiden Moscheen an den Seiten des Hauptgebäudes sind hauptsächlich der Symmetrie wegen erbaut – die eine kann nicht einmal verwendet werden, da sie nicht nach Mekka ausgerichtet ist!

Klingt alles sehr romantisch, oder? Wäre da nicht die Sache, das Shah Jahan neben Mumtaz noch 71 weitere Frauen hatte – und dass sein Sohn die unheimlichen Kosten als Legitimation nutzte, um seinen Vater zu stürzen. So verbrachte Shah Jahan die restlichen acht Jahre seines Lebens gefangen im Fort von Agra – immerhin mit Blick aufs Taj Mahal!

Excited!

 

... das historische Indien

Amber Fort Im FortDer Windpalast

Unsere nächste Station war Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans, die mich fast an ein riesiges Museum erinnert hat, so viel gibt es dort an historischen Monumenten zu sehen. Wir waren im berühmten Amber Fort (Mein 10. Fort in Indien, ich habe nachgezählt...) und Windpalast (der allein dafür gebaut wurde, dass die Frauen des Königs die prachtvollen Umzüge in der Stadt anschauen konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Interessant war auch Jantar Mantar, riesige Messinstrumente wie Sonnenuhren und andere Observatorien, die ein König im 18. Jahrhundert bauen lies.

Jaipur von oben

 

... indisches Familienleben

Die Rolle des Touris hinter mir gelassen ging es für mich nach Pokran, wo ich mit Meera, meinen Gastgeschwistern Jeetu, Chotu und Lalita meine Großeltern mütterlicherseits plus Familie besucht habe, d.h. Meeras Papa, Meeras Bruder und seine Frau und beiden Kinder. Es war sehr schön, alle kennenzulernen und so warm empfangen zu werden.

Meera mit ihrem Papa Jett, Chou und Lolita

Ganz nahe an Pokran liegt auch Ram Devra, ein Tempel, zu dem vor allem im Juli bis September ganz viele Menschen pilgern (Rama, eine der zehn Inkarnationen von Vishnu, hat dort ein Bad genommen) . Auf den Straßen laufen dann tausende Menschen (eigentlich tanzen sie eher) mehrere hundert Kilometer bis Ram Devra. Ich hatte noch Glück; Wir sind mit dem Auto hingefahren, haben im Tempel prasad (Kokosnuss und Süßigkeiten) gegeben und in den Glitzerläden indischen Krimskrams geshoppt – doch wieder Touri, aber dieses Mal auf indische Weise!

Basar in Ram Devra

 

Samstag, 21.05.2016

Heiß, heißer, Setrawa!!!

Nach den milden Temperaturen in den Bergen hat unser Körper wohl den dreifachen Schock bekommen, als wir nach Setrawa zurückgekommen sind. Um die 50 Grad!!!

Die Hitze ist echt unglaublich, wir schwitzen und schwitzen und die größte Freude ist es, wenn ich morgens (falls kein Stromausfall war) meine Wasserflasche aus dem Gefrierfach holen und mir in den Nacken halten kann! Ich merke, dass die Temperaturen meinem Körper echt zu schaffen machen, kein Wunder: So wie hier habe ich noch nie geschwitzt - ohne Pause und wirklich überall. Und wenn es die Viertelstunde durch Sand und pralle Sonne zum Center geht, müssen wir uns mittlerweile noch mehr schützen und unsere Gesichter verschleiern.

             Mit Lolita ... und unserem Opa

Trotzdem waren wir echt erstaunt bis geschockt, als wir diesen Artikel gelesen haben: India records its hottest day ever as temperature hits 51°C. Das Dorf Phalodi liegt nun auf Platz drei der Hitzerekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, nach Death Valley in den USA 1913 und Kebili in Tunesien 1931. 

Phalodi ist ca. 50 km von Setrawa entfernt!

Gestern abend ist Linda nun auch nach Jodhpur umgezogen und wir können uns jetzt für unsere Jodhpur-Wochenenden auf ihr kühles AC-Zimmer freuen! Für mich überwiegt aber erstmal der Abschiedsschmerz, unser - bzw. jetzt mein - Zimmer ist jetzt sehr leer. Zum Glück musste Linda Meera versprechen, ganz oft zu Besuch nach Setrawa zu kommen!

 

Dienstag, 17.05.2016

Gesichter Indiens

Unser zweiter größerer Urlaub ist vorbei und wir sind mit ganz vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen zurückgekehrt. Ich kann es nicht fassen, wie viele Seiten Indien hat und wie viele Gesichter es zeigen kann. Gesichter, die sich so ganz und gar von dem unterscheiden, was ich in Setrawa erlebe. Und deshalb konnten auch wir, nach mehr als einem Dreivierteljahr Indien, oft nur staunen, wenn wir mal wieder in eine neue Welt Indiens eingetaucht sind. Da gab es zum Beispiel...

 

...die Welt des Sikhismus                                                                                                             Der Goldene Tempel Linda, Leo und ich mit einem netten älteren Sikh        

Die erste Station unserer Reise war Amritsar, die bedeutendste Stadt für den Sikhismus in Indien, im Bundesstaat Punjab. Denn dort befindet sich der Tempel, den jeder Sikkh mindestens einmal in seinem Leben besucht haben sollte: der Goldene Tempel (Harmandir Sahib). Diese Religion, ihre Anhänger und der Tempel haben mich sehr beeindruckt und ich habe das Gefühl. dass ich die überwältigende Atmosphäre kaum beschreiben kann. Sobald wir an den See kamen, der den Tempel umgibt, hat es sich für mich angefühlt, als befände ich mich in einer Blase, die die Hektik und das Chaos, das sonst in Indien herrscht, von den Tempelbesuchern abschirmt. Man hört nur noch die Tempelgesänge, eine angenehme Brise weht über das Wasser und man reiht sich geduldig in die Schlage der Wartenden, die das Innere des Tempels besuchen wollen. Als Sikh taucht man auch einmal im Seewasser unter, meist den Säbel auf den Turban gebunden und in der „speziellen Unterhose“ Kachera. Das einfachste Erkennungsmerkmal für einen männlichen Sikh ist nämlich sein Turban, der kunstvoll um die Haare gewickelt wird, die sich ein praktizierender Sikh nicht schneidet, um seine Naturverbundenheit auszudrücken. Anhänger einer etwas strengeren Sekte tragen noch weitere Symbole wie den Säbel, die Unterhose oder einen Kamm.Und dann wären da noch die tausenden Freiwilligen, die den Tempel am Laufen halten. Die es z.B. möglich machen, dass kostenlose Mahlzeiten und Übernachtung angeboten werden können. Locker 300 bis 500 Menschen nehmen können gleichzeitig an den kostenlosen Mahlzeiten teilnehmen! Um die 100 000 jeden Tag!!! Es war unglaublich, sich in die Reihen zu setzen und mitversorgt zu werden und vor allem, danach noch beim Abwaschen zu helfen. Und zu spüren, wie klein, aber gleichzeitig auch nützlich, wir in diesem riesigen Ameisenhaufen waren, wo jeder das hilft, was er gerade möchte und solange er möchte. Als wir uns abends unsere Schlafsäcke geschnappt und uns an den See gelegt haben, konnte ich es einfach nicht fassen, was ich hier erleben durfte. Dabei war ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht morgens um Viertel vor drei von einem riesigen Putztrupp aufgewacht, der jeden Morgen den gesamten Tempel gründlich reinigt (Wer findet bitte um diese zeit mehr al hundert Leute, die freiwillig beim Putzen mithelfen??). 

mit dem Säbel beim Geldabheben Zwei Sikhs

Geschirr für die Mahlzeiten Beim Essen

Beim Abspülen .... Oder Knoblauchschnippeln                     

Selfie-TimeGanz vorschriftsgemäß mit Kopfbedeckung

 

...das kleine Tibet 

Schwierig also, Amritsar zu toppen – aber unser nächster Stopp McLeordGanj am Fuße des Himalaja hat doch recht gut mithalten können. McLeordGanj liegt über Dharamsala, wo auch die Residenz des Dalai Lama ist, und so leben auch sehr viele Exil-Tibeter dort. Wir haben einige Freiwillige von unserem Zwischenseminar besucht und durften auch bei ihren Arbeitsplätzen reinschnuppern. In der „Conversation Class“ haben wir uns mit einigen tibetischen Mönchen unterhalten und es ist teils amüsant, teils berührend, wenn ein Mönch dir von seiner in Tibet zurückgebliebenen Familie erzählt – oder eben, dass sein größtes Hobby Fußballschauen und Schwimmen ist.                          Conversation Class Im Tempel Mit Kong vom Vorbereitungsseminar und Tabea Buddhistisches Kloster

 

...das Touri-Leben

Tja, sobald wir Setrawa und Jodhpur verlassen haben, werden wir dann doch wie „normale“ Touris behandelt, vor allem in Orten wie McLeordGanj oder später Manali, wo es extrem viele westliche Touristen gibt. Das ist vielleicht manchmal etwas ernüchternd, aber es hat auch Vorteile: Cafés, Pizzerien und, und, und... (eine willkommene Abwechslung!). Jaa, wir haben uns auch einigen Luxus gegönnt!

 

...die Bergwelt                                                                                                                         ManaliEndlich wieder Berge! Und was für welche: Wir haben so einige Vier- bis Sechstausender zu Gesicht bekommen und als Flachland-Wüstenmäuse konnten unseren Augen kaum trauen... In der Umgebung von McLeordGanj und Manali, wo so langsam das Himalaya beginnt, haben wir superschöne kleinere Wanderungen gemacht, und waren sogar paragliden und canyonen, wo man sich Wasserfälle hinabseilt.

 Canyoning Kleine Wanderung von McLeordGanj nach Triund Auf Triund Manali

 

...das geplante Indien

Nur ganz kurz auf der Heimreise durchgefahren, aber trotzdem beeindruckend: Chandigarh. Die Stadt musste bei mir als Architektentochter ja was klingeln lassen, denn: Die Stadt wurde von dem berühmten Architekten Le Corbusier geplant (von dem ich auch in Europa schon einiges bewundern durfte, gell Papa) und befindet sich seit 1952 im Bau. Es war das damalige Vorzeigeprojekt von Präsident Nehru, der nach der Unabhängigkeit 1947 wohl der Welt zeigen wollte, was in Indien möglich ist. Und tatsächlich ist die Stadt sehr geordnet, grün und für indische Verhältnisse sehr entspannt (und es gibt klimatisierte Stadtbusse!!!).

 

...die Weite

Ja, die Weite Indiens kann man sich aus Deutschland glaube ich gar nicht vorstellen. Für unsere Rückreise aus Manali nach Jodhpur waren wir mal eben fast 40h unterwegs - und dabei haben wir nur Himachal Pradesh, Punjab und Rajasthan durchreist, das sind drei der 29 Bundesstaaten Indiens!                                                                                  Mal wieder im Zug

 

Montag, 25.04.2016

Regeln über Regeln Nr.2

Donnerstags keine Wäsche waschen! Nicht pfeifen! Dupatta tragen!

Vielleicht erinnert ihr euch sicherlich noch an die nicht so kurze Liste von Regeln, die in Lindas und meinem indischen Zuhause gelten und die ich im September zusammengetragen habe ("It is not allowded!"). Manche der Regeln haben mich amüsiert, manche kamen mir vielleicht etwas unnötig vor und andere haben im ersten Moment Ablehnung ausgelöst. Aber: Andere Länder, andere Sitten; oder in den Worten meiner Gastmama Meera: „This is India. India is different.“.

Dieser Satz hat mir vor allem zu Beginn meines Aufenthaltes geholfen, manche Regeln leichter hinnehmen zu können. Mittlerweile habe ich aber nicht mehr das Gefühl, dass die Menschen, die ich hier kennenlerne, so anders, so „different“, sind. Doch damit stehe ich vor einer großen Frage: Warum gibt es die Regeln dann?

Und bin auf der Suche nach Erklärungsansätzen, was nicht einfach ist! Hier kommt also eine Fortsetzung der Regel-Liste samt Erklärungsversuchen:

 

  1. Die Chapatti-Bällchen     Chapatti sind hier das A und O jeder Mahlzeit und für uns nicht mehr wegdenkbar: ein typisches Gericht besteht aus den pfannkuchenartigen Broten und Sabji, der Gemüsesoße, oder Dal. Für die Frauen des Hauses bedeutet das viel Arbeit, jeden Morgen und jeden Abend muss die Chapatti-Box gefüllt werden (es sei denn es ist einer der seltenen Tage, wo es doch mal Reis gibt). Zuerst wird der Teig aus Weizenmehl, Salz, Wasser und etwas Öl geknetet und dann werden Bällchen geformt, die ausgewellt werden. Doch wer dabei behilflich sein will muss aufpassen; Es dürfen nicht mehr als zwei bis drei Bällchen geformt werden, ohne sie auszurollen! Meeras Erklärung: Das macht man nur, wenn jemand gestorben ist.
  1. Die ersten drei Chapatti     Die Chapatti sind also gemacht und ein Ahnungsloser würde sich jetzt vielleicht einfach daran bedienen, aber Vorsicht: die ersten drei Chapatti sind nicht für uns bestimmt! Eins ist für den Hund, eins für die Kuh und eins für Gott. Auch vom Sabji, von jede Süßigkeit oder dem Reis wird ein kleiner Teil nicht von uns gegessen, sondern ist für einen Gott bestimmt. Der ursprüngliche Gedanke geht sogar noch weiter: Nicht wir teilen das Essen mit der Gottheit, sondern die Gottheit mit uns.
  1. „Ghee is healthy“ (oder: unser ewiger Kampf gegen das Fett)     Ob auf die Chapatti oder auf Reis, Kitchuri (Reisbrei mit Linsen) oder Sokra (etwas dickere Hirsechapatti) – überall wird vor dem Essen noch fett Ghee (eine Art Butterschmalz) draufgeklatscht (Als ob die Gemüsesoße nicht genügend Fett enthielte). Zum Glück ist mittlerweile bekannt, dass das bei Linda und mir auf keine große Begeisterung stößt, sodass wir größtenteils verschont werden. Nur unsere Oma gibt noch nicht auf und fragt immer wieder aufs neue: „Ghee?!!!“. Ghee ist in Setrawa nun mal gesund, und daran werden wir nichts ändern können. So viele Frauen haben schon angesichts unserer Ghee-losen Chapatti verständnislos den Kopf geschüttelt und gemeint: „Ghee is healthy!“, während sie eine Armbewegung gemacht haben, die wohl heißen soll: Es macht dich schön kräftig! – Dass das nicht unbedingt unser größtes Ziel ist, verstehen nicht alle: Dünn-Sein ist in Setrawa für viele kein Schönheitsideal. Achso: Brote und Snacks wie Puri, Pakora und Samosa sind sozusagen Ausnahmen und werden zwar ohne den Butterschmal serviert – dafür aber frittiert... Auch das hat einen Grund: Mit Fett als Konservierungsmittel können sie länger aufbewahrt und später gegessen werden.
  1. Keine blauen und grünen Saris!     Meera trägt wie die meisten Frauen in Setrawa ausschließlich gelbe, orangene und rote Saris. Neulich hat sie erzählt wie sie kurz nach ihrer Hochzeit einen grünen Sari anprobiert hat und ihr Schwiegervater sehr sauer geworden ist: Blaue und grüne Saris trägt man bei Todesfällen oder als Witwe.
  1. No meat, no eggs!     Unsere Familie lebt wie die meisten in Setrawa vegetarisch. Es gibt ein großes hinduistisches Gebot, Ahisma, das besagt, dass keinem anderen Lebewesen Schmerzen zugefügt werden dürfen und das damit ja eine vegetarische Lebensweise nahelegt. Für viele Kasten bedeutet deshalb eine reine Ernährung den Verzicht auf Fleisch und Ei - da ich sowieso keine große Fleischesserin bin, ist das für mich auch nicht weiter schlimm. Es gibt aber auch Kasten, nicht vegetarisch leben.
  1. Keine Chaperl (Schuhe) auf die Seite des Haustempels stellen!     Das geht gar nicht! Schuhe gelten als unrein (ergibt ja auch irgendwie Sinn, da sie mit dem Schmutz auf der Straße in Berührung kommen). Man zieht also die Schuhe aus, bevor man ein Haus betritt, stellt sie nicht vor den Haustempel und: Wenn ihr einen Inder maximal erniedrigen wollt, zieht ihm mit einem eurer Schuhe eins über!
  1. Mit der rechten Hand essen.... (ihr wisst schon, wegen des Toilettengangs)... aber: mit der linken Hand die Chapatti aus der Chapatti-Box nehmen!

Meera vor unserem Shop

  1. Das Gesicht verbergen     Hierarchien werden in Indien von den meisten nicht unbedingt negativ gesehen. Ob in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz, oder innerhalb der Familie: Den höher gestellten, den Älteren, zollt man Respekt. Dieser Respekt kommt in vielerlei Weisen zum Ausdruck: Auf eine schöne Art, wenn Meera total schockiert reagiert, als ich ihr erzähle, dass meine Großeltern allein leben, da es hier selbstverständlich ist, die älteren Generationen mitzuversorgen. Und auf nicht so schöne Art, wenn Meera wie fast alle anderen Frauen auch ihr Gesicht hinter dem Ende ihres Saris verbergen muss, wenn sie in Setrawa Älteren begegnet. Beim Einkaufen, auf der Straße und zu Hause, wenn unser Gastopa ins Zimmer kommt.
  1. Der Nachtisch ist Vortisch     Lustiger Weise wird hier der Nachtisch vor dem Herzhaften gegessen und so kommt es jedes Mal, wenn wir bei einer Mahlzeit auch eine Süßigkeit probieren dürfen und trotzdem mit Roti und Sabji beginnen, zu einer kleinen Irritation: „You don´t like the sweets?“. Ich weiß nicht, warum die Reihenfolge hier andersherum ist, und die Frage ist ja auch eher: Warum essen wir denn das Dessert danach???
  1. Nicht zu zweit mit einem Besen im Zimmer sein! 
Donnerstag, 21.04.2016

Roti Jimmu?

Roti Jimmu? Do you like to eat?

Ihr wisst ja, das ich ein Fan der indischen (bzw. von Meeras) Küche bin, und ich will euch ja nichts vorenthalten! Deshalb kommt hier das Rezept von

 

 Meeras einmaligem und superleckerem Alu Ghobi

Ihr benötigt:

  • Ca. 5 Alu (=Kartoffeln), Pata Ghobi (=Blumenkohl) oder wenn ihr wollt geht z.B. auch: Alu und Phul Ghobi (=Kohl) oder: Bringal (=Aubergine)
  • 6 Tomaten
  • 1 grüne Chili
  • 3 ordentliche EL Öl
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1,5 TL Senfsamen
  • 1,5 TL Tumeric/ Kurkuma
  • 2 EL Rotes Chilipulver (wenn ihr es original wollt :D)
  • 1,5 EL Koriander Powder
  • Salz
  • etwas Wasser
  • grünen Koriander 

Und dann ist es eigentlich ganz einfach:

  1. Öl in einem Topf erhitzen und Kreuzkümmel zugeben, wenn es schön heiß ist. Dann Senfsamen dazu.
  2. Die restlichen Gewürze in den Topf geben und dann sehr schnell Tomaten und grüne Chili dazu, damit die rote Chili nicht anbrennt (Achtung mit dem Öl! Am besten gleich Deckel drauf!). Eventuell braucht ihr noch etwas Wasser für mehr Soße. Gut rühren, sodass eine rote Paste entsteht.
  3. Geschnippelte Kartoffeln und Blumenkohl dazugeben und köcheln lassen. Flamme klein stellen und eventuell noch mehr Wasser zugeben, später die Korianderblätter.
  4. Mit Chapatti oder Reis genießen!

Außen die Variante mit Aubergine Alu Rechts mit Paul Gobi, also Kohl

 

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