Samstag, 21.05.2016

Heiß, heißer, Setrawa!!!

Nach den milden Temperaturen in den Bergen hat unser Körper wohl den dreifachen Schock bekommen, als wir nach Setrawa zurückgekommen sind. Um die 50 Grad!!!

Die Hitze ist echt unglaublich, wir schwitzen und schwitzen und die größte Freude ist es, wenn ich morgens (falls kein Stromausfall war) meine Wasserflasche aus dem Gefrierfach holen und mir in den Nacken halten kann! Ich merke, dass die Temperaturen meinem Körper echt zu schaffen machen, kein Wunder: So wie hier habe ich noch nie geschwitzt - ohne Pause und wirklich überall. Und wenn es die Viertelstunde durch Sand und pralle Sonne zum Center geht, müssen wir uns mittlerweile noch mehr schützen und unsere Gesichter verschleiern.

             Mit Lolita ... und unserem Opa

Trotzdem waren wir echt erstaunt bis geschockt, als wir diesen Artikel gelesen haben: India records its hottest day ever as temperature hits 51°C. Das Dorf Phalodi liegt nun auf Platz drei der Hitzerekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, nach Death Valley in den USA 1913 und Kebili in Tunesien 1931. 

Phalodi ist ca. 50 km von Setrawa entfernt!

Gestern abend ist Linda nun auch nach Jodhpur umgezogen und wir können uns jetzt für unsere Jodhpur-Wochenenden auf ihr kühles AC-Zimmer freuen! Für mich überwiegt aber erstmal der Abschiedsschmerz, unser - bzw. jetzt mein - Zimmer ist jetzt sehr leer. Zum Glück musste Linda Meera versprechen, ganz oft zu Besuch nach Setrawa zu kommen!

 

Dienstag, 17.05.2016

Gesichter Indiens

Unser zweiter größerer Urlaub ist vorbei und wir sind mit ganz vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen zurückgekehrt. Ich kann es nicht fassen, wie viele Seiten Indien hat und wie viele Gesichter es zeigen kann. Gesichter, die sich so ganz und gar von dem unterscheiden, was ich in Setrawa erlebe. Und deshalb konnten auch wir, nach mehr als einem Dreivierteljahr Indien, oft nur staunen, wenn wir mal wieder in eine neue Welt Indiens eingetaucht sind. Da gab es zum Beispiel...

 

...die Welt des Sikhismus                                                                                                             Der Goldene Tempel Linda, Leo und ich mit einem netten älteren Sikh        

Die erste Station unserer Reise war Amritsar, die bedeutendste Stadt für den Sikhismus in Indien, im Bundesstaat Punjab. Denn dort befindet sich der Tempel, den jeder Sikkh mindestens einmal in seinem Leben besucht haben sollte: der Goldene Tempel (Harmandir Sahib). Diese Religion, ihre Anhänger und der Tempel haben mich sehr beeindruckt und ich habe das Gefühl. dass ich die überwältigende Atmosphäre kaum beschreiben kann. Sobald wir an den See kamen, der den Tempel umgibt, hat es sich für mich angefühlt, als befände ich mich in einer Blase, die die Hektik und das Chaos, das sonst in Indien herrscht, von den Tempelbesuchern abschirmt. Man hört nur noch die Tempelgesänge, eine angenehme Brise weht über das Wasser und man reiht sich geduldig in die Schlage der Wartenden, die das Innere des Tempels besuchen wollen. Als Sikh taucht man auch einmal im Seewasser unter, meist den Säbel auf den Turban gebunden und in der „speziellen Unterhose“ Kachera. Das einfachste Erkennungsmerkmal für einen männlichen Sikh ist nämlich sein Turban, der kunstvoll um die Haare gewickelt wird, die sich ein praktizierender Sikh nicht schneidet, um seine Naturverbundenheit auszudrücken. Anhänger einer etwas strengeren Sekte tragen noch weitere Symbole wie den Säbel, die Unterhose oder einen Kamm.Und dann wären da noch die tausenden Freiwilligen, die den Tempel am Laufen halten. Die es z.B. möglich machen, dass kostenlose Mahlzeiten und Übernachtung angeboten werden können. Locker 300 bis 500 Menschen nehmen können gleichzeitig an den kostenlosen Mahlzeiten teilnehmen! Um die 100 000 jeden Tag!!! Es war unglaublich, sich in die Reihen zu setzen und mitversorgt zu werden und vor allem, danach noch beim Abwaschen zu helfen. Und zu spüren, wie klein, aber gleichzeitig auch nützlich, wir in diesem riesigen Ameisenhaufen waren, wo jeder das hilft, was er gerade möchte und solange er möchte. Als wir uns abends unsere Schlafsäcke geschnappt und uns an den See gelegt haben, konnte ich es einfach nicht fassen, was ich hier erleben durfte. Dabei war ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht morgens um Viertel vor drei von einem riesigen Putztrupp aufgewacht, der jeden Morgen den gesamten Tempel gründlich reinigt (Wer findet bitte um diese zeit mehr al hundert Leute, die freiwillig beim Putzen mithelfen??). 

mit dem Säbel beim Geldabheben Zwei Sikhs

Geschirr für die Mahlzeiten Beim Essen

Beim Abspülen .... Oder Knoblauchschnippeln                     

Selfie-TimeGanz vorschriftsgemäß mit Kopfbedeckung

 

...das kleine Tibet 

Schwierig also, Amritsar zu toppen – aber unser nächster Stopp McLeordGanj am Fuße des Himalaja hat doch recht gut mithalten können. McLeordGanj liegt über Dharamsala, wo auch die Residenz des Dalai Lama ist, und so leben auch sehr viele Exil-Tibeter dort. Wir haben einige Freiwillige von unserem Zwischenseminar besucht und durften auch bei ihren Arbeitsplätzen reinschnuppern. In der „Conversation Class“ haben wir uns mit einigen tibetischen Mönchen unterhalten und es ist teils amüsant, teils berührend, wenn ein Mönch dir von seiner in Tibet zurückgebliebenen Familie erzählt – oder eben, dass sein größtes Hobby Fußballschauen und Schwimmen ist.                          Conversation Class Im Tempel Mit Kong vom Vorbereitungsseminar und Tabea Buddhistisches Kloster

 

...das Touri-Leben

Tja, sobald wir Setrawa und Jodhpur verlassen haben, werden wir dann doch wie „normale“ Touris behandelt, vor allem in Orten wie McLeordGanj oder später Manali, wo es extrem viele westliche Touristen gibt. Das ist vielleicht manchmal etwas ernüchternd, aber es hat auch Vorteile: Cafés, Pizzerien und, und, und... (eine willkommene Abwechslung!). Jaa, wir haben uns auch einigen Luxus gegönnt!

 

...die Bergwelt                                                                                                                         ManaliEndlich wieder Berge! Und was für welche: Wir haben so einige Vier- bis Sechstausender zu Gesicht bekommen und als Flachland-Wüstenmäuse konnten unseren Augen kaum trauen... In der Umgebung von McLeordGanj und Manali, wo so langsam das Himalaya beginnt, haben wir superschöne kleinere Wanderungen gemacht, und waren sogar paragliden und canyonen, wo man sich Wasserfälle hinabseilt.

 Canyoning Kleine Wanderung von McLeordGanj nach Triund Auf Triund Manali

 

...das geplante Indien

Nur ganz kurz auf der Heimreise durchgefahren, aber trotzdem beeindruckend: Chandigarh. Die Stadt musste bei mir als Architektentochter ja was klingeln lassen, denn: Die Stadt wurde von dem berühmten Architekten Le Corbusier geplant (von dem ich auch in Europa schon einiges bewundern durfte, gell Papa) und befindet sich seit 1952 im Bau. Es war das damalige Vorzeigeprojekt von Präsident Nehru, der nach der Unabhängigkeit 1947 wohl der Welt zeigen wollte, was in Indien möglich ist. Und tatsächlich ist die Stadt sehr geordnet, grün und für indische Verhältnisse sehr entspannt (und es gibt klimatisierte Stadtbusse!!!).

 

...die Weite

Ja, die Weite Indiens kann man sich aus Deutschland glaube ich gar nicht vorstellen. Für unsere Rückreise aus Manali nach Jodhpur waren wir mal eben fast 40h unterwegs - und dabei haben wir nur Himachal Pradesh, Punjab und Rajasthan durchreist, das sind drei der 29 Bundesstaaten Indiens!                                                                                  Mal wieder im Zug

 

Montag, 25.04.2016

Regeln über Regeln Nr.2

Donnerstags keine Wäsche waschen! Nicht pfeifen! Dupatta tragen!

Vielleicht erinnert ihr euch sicherlich noch an die nicht so kurze Liste von Regeln, die in Lindas und meinem indischen Zuhause gelten und die ich im September zusammengetragen habe ("It is not allowded!"). Manche der Regeln haben mich amüsiert, manche kamen mir vielleicht etwas unnötig vor und andere haben im ersten Moment Ablehnung ausgelöst. Aber: Andere Länder, andere Sitten; oder in den Worten meiner Gastmama Meera: „This is India. India is different.“.

Dieser Satz hat mir vor allem zu Beginn meines Aufenthaltes geholfen, manche Regeln leichter hinnehmen zu können. Mittlerweile habe ich aber nicht mehr das Gefühl, dass die Menschen, die ich hier kennenlerne, so anders, so „different“, sind. Doch damit stehe ich vor einer großen Frage: Warum gibt es die Regeln dann?

Und bin auf der Suche nach Erklärungsansätzen, was nicht einfach ist! Hier kommt also eine Fortsetzung der Regel-Liste samt Erklärungsversuchen:

 

  1. Die Chapatti-Bällchen     Chapatti sind hier das A und O jeder Mahlzeit und für uns nicht mehr wegdenkbar: ein typisches Gericht besteht aus den pfannkuchenartigen Broten und Sabji, der Gemüsesoße, oder Dal. Für die Frauen des Hauses bedeutet das viel Arbeit, jeden Morgen und jeden Abend muss die Chapatti-Box gefüllt werden (es sei denn es ist einer der seltenen Tage, wo es doch mal Reis gibt). Zuerst wird der Teig aus Weizenmehl, Salz, Wasser und etwas Öl geknetet und dann werden Bällchen geformt, die ausgewellt werden. Doch wer dabei behilflich sein will muss aufpassen; Es dürfen nicht mehr als zwei bis drei Bällchen geformt werden, ohne sie auszurollen! Meeras Erklärung: Das macht man nur, wenn jemand gestorben ist.
  1. Die ersten drei Chapatti     Die Chapatti sind also gemacht und ein Ahnungsloser würde sich jetzt vielleicht einfach daran bedienen, aber Vorsicht: die ersten drei Chapatti sind nicht für uns bestimmt! Eins ist für den Hund, eins für die Kuh und eins für Gott. Auch vom Sabji, von jede Süßigkeit oder dem Reis wird ein kleiner Teil nicht von uns gegessen, sondern ist für einen Gott bestimmt. Der ursprüngliche Gedanke geht sogar noch weiter: Nicht wir teilen das Essen mit der Gottheit, sondern die Gottheit mit uns.
  1. „Ghee is healthy“ (oder: unser ewiger Kampf gegen das Fett)     Ob auf die Chapatti oder auf Reis, Kitchuri (Reisbrei mit Linsen) oder Sokra (etwas dickere Hirsechapatti) – überall wird vor dem Essen noch fett Ghee (eine Art Butterschmalz) draufgeklatscht (Als ob die Gemüsesoße nicht genügend Fett enthielte). Zum Glück ist mittlerweile bekannt, dass das bei Linda und mir auf keine große Begeisterung stößt, sodass wir größtenteils verschont werden. Nur unsere Oma gibt noch nicht auf und fragt immer wieder aufs neue: „Ghee?!!!“. Ghee ist in Setrawa nun mal gesund, und daran werden wir nichts ändern können. So viele Frauen haben schon angesichts unserer Ghee-losen Chapatti verständnislos den Kopf geschüttelt und gemeint: „Ghee is healthy!“, während sie eine Armbewegung gemacht haben, die wohl heißen soll: Es macht dich schön kräftig! – Dass das nicht unbedingt unser größtes Ziel ist, verstehen nicht alle: Dünn-Sein ist in Setrawa für viele kein Schönheitsideal. Achso: Brote und Snacks wie Puri, Pakora und Samosa sind sozusagen Ausnahmen und werden zwar ohne den Butterschmal serviert – dafür aber frittiert... Auch das hat einen Grund: Mit Fett als Konservierungsmittel können sie länger aufbewahrt und später gegessen werden.
  1. Keine blauen und grünen Saris!     Meera trägt wie die meisten Frauen in Setrawa ausschließlich gelbe, orangene und rote Saris. Neulich hat sie erzählt wie sie kurz nach ihrer Hochzeit einen grünen Sari anprobiert hat und ihr Schwiegervater sehr sauer geworden ist: Blaue und grüne Saris trägt man bei Todesfällen oder als Witwe.
  1. No meat, no eggs!     Unsere Familie lebt wie die meisten in Setrawa vegetarisch. Es gibt ein großes hinduistisches Gebot, Ahisma, das besagt, dass keinem anderen Lebewesen Schmerzen zugefügt werden dürfen und das damit ja eine vegetarische Lebensweise nahelegt. Für viele Kasten bedeutet deshalb eine reine Ernährung den Verzicht auf Fleisch und Ei - da ich sowieso keine große Fleischesserin bin, ist das für mich auch nicht weiter schlimm. Es gibt aber auch Kasten, nicht vegetarisch leben.
  1. Keine Chaperl (Schuhe) auf die Seite des Haustempels stellen!     Das geht gar nicht! Schuhe gelten als unrein (ergibt ja auch irgendwie Sinn, da sie mit dem Schmutz auf der Straße in Berührung kommen). Man zieht also die Schuhe aus, bevor man ein Haus betritt, stellt sie nicht vor den Haustempel und: Wenn ihr einen Inder maximal erniedrigen wollt, zieht ihm mit einem eurer Schuhe eins über!
  1. Mit der rechten Hand essen.... (ihr wisst schon, wegen des Toilettengangs)... aber: mit der linken Hand die Chapatti aus der Chapatti-Box nehmen!

Meera vor unserem Shop

  1. Das Gesicht verbergen     Hierarchien werden in Indien von den meisten nicht unbedingt negativ gesehen. Ob in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz, oder innerhalb der Familie: Den höher gestellten, den Älteren, zollt man Respekt. Dieser Respekt kommt in vielerlei Weisen zum Ausdruck: Auf eine schöne Art, wenn Meera total schockiert reagiert, als ich ihr erzähle, dass meine Großeltern allein leben, da es hier selbstverständlich ist, die älteren Generationen mitzuversorgen. Und auf nicht so schöne Art, wenn Meera wie fast alle anderen Frauen auch ihr Gesicht hinter dem Ende ihres Saris verbergen muss, wenn sie in Setrawa Älteren begegnet. Beim Einkaufen, auf der Straße und zu Hause, wenn unser Gastopa ins Zimmer kommt.
  1. Der Nachtisch ist Vortisch     Lustiger Weise wird hier der Nachtisch vor dem Herzhaften gegessen und so kommt es jedes Mal, wenn wir bei einer Mahlzeit auch eine Süßigkeit probieren dürfen und trotzdem mit Roti und Sabji beginnen, zu einer kleinen Irritation: „You don´t like the sweets?“. Ich weiß nicht, warum die Reihenfolge hier andersherum ist, und die Frage ist ja auch eher: Warum essen wir denn das Dessert danach???
  1. Nicht zu zweit mit einem Besen im Zimmer sein! 
Donnerstag, 21.04.2016

Roti Jimmu?

Roti Jimmu? Do you like to eat?

Ihr wisst ja, das ich ein Fan der indischen (bzw. von Meeras) Küche bin, und ich will euch ja nichts vorenthalten! Deshalb kommt hier das Rezept von

 

 Meeras einmaligem und superleckerem Alu Ghobi

Ihr benötigt:

  • Ca. 5 Alu (=Kartoffeln), Pata Ghobi (=Blumenkohl) oder wenn ihr wollt geht z.B. auch: Alu und Phul Ghobi (=Kohl) oder: Bringal (=Aubergine)
  • 6 Tomaten
  • 1 grüne Chili
  • 3 ordentliche EL Öl
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1,5 TL Senfsamen
  • 1,5 TL Tumeric/ Kurkuma
  • 2 EL Rotes Chilipulver (wenn ihr es original wollt :D)
  • 1,5 EL Koriander Powder
  • Salz
  • etwas Wasser
  • grünen Koriander 

Und dann ist es eigentlich ganz einfach:

  1. Öl in einem Topf erhitzen und Kreuzkümmel zugeben, wenn es schön heiß ist. Dann Senfsamen dazu.
  2. Die restlichen Gewürze in den Topf geben und dann sehr schnell Tomaten und grüne Chili dazu, damit die rote Chili nicht anbrennt (Achtung mit dem Öl! Am besten gleich Deckel drauf!). Eventuell braucht ihr noch etwas Wasser für mehr Soße. Gut rühren, sodass eine rote Paste entsteht.
  3. Geschnippelte Kartoffeln und Blumenkohl dazugeben und köcheln lassen. Flamme klein stellen und eventuell noch mehr Wasser zugeben, später die Korianderblätter.
  4. Mit Chapatti oder Reis genießen!

Außen die Variante mit Aubergine Alu Rechts mit Paul Gobi, also Kohl

 

Donnerstag, 31.03.2016

Stuttgarter Nachrichten Nr. 6

Im März war der Chef von Sambhali Trust, Govind, in Europa und unter anderem auch zu Besuch bei meinen Eltern in Stuttgart. Dort hat er nicht nur den Birkenkopf und den Fernsehturm besichtigt, er war auch im Ebelu, wo ich im vergangenen Jahr mein Abi gemacht habe, und hat einen kleinen Vortrag gehalten. Hier könnt ihr mehr darüber lesen!

Sonntag, 27.03.2016

Feste der Farben

„You are the color in my life and I am the color in your life.“

Meera über die Bedeutung des Fests der Farben

Ostern in Setrawa

Ich wünsche euch einen schönen Ostersonntag und frohes Eiersuchen! Esst eins für mich mit, denn die letztem Tage waren zwar so bunt durchmischt wie ein Osterei, aber Eier sind nunmal in unserer Familie wie in vielen Haushalten in Setrawa nicht erlaubt. Macht nichts, der Osterhase hat in Setrawa einfach ganz viele indische Süßigkeiten statt Eiern versteckt und ein Osterfrühstück auf unserer Sanddüne tut´s auch!

Also: keine Ostereier und kein Eierbemalen - dafür wurde der Frühling hier mit einem indischen Farbenfestival begrüßt: Holi!

Über Holi sind wir nach Jodhpur gefahren, um dort mit den anderen Volunteers und den Mädchen vom Boarding-Home von Sambhali zu feiern. Die Mädels kommen aus Setrawa und Umgebung und es war besonders schön, Lalita und Nisha, meine Gastschwester und Cousine, wiederzusehen.

Wie für alle Feierlichkeiten gibt es auch zu Holi zahlreiche Geschichten. Leider ist es nicht so einfach, sich die ausführlich erzählen zu lassen (man verliert den Überblick mit den ganzen Gottheiten und oft reicht der englische Wortschatz auf beiden Seiten nicht aus), aber ein paar Geduldige haben es trotzdem versucht und ich habe später noch Google befragt. Hier kommen also die zwei (ich hoffe, ich habe das richtig verstanden) wichtigsten Geschichten über Holi:

Erster Tag von Holi

Am ersten Tag von Holi wurde ein riesiges Feuer gemacht, um das wir uns alle versammelt haben. Dem liegt die erste Geschichte zu Grunde:

Es war einmal ein eitler König, der wie Gott verehrt werden wollte. Sein Sohn aber verehrte nur die Gottheit Vishnu. Das fand der König gar nicht lustig und beschloss, seinen Sohn zu töten. Mehrere Male versuchte er es, aber Vishnu beschützte den Sohn sehr gut und er entrann dem Tode. Da dachte sich der König eine List aus: Er würde die Dämonin Holika, eine Verwandte, die als immun gegen die Zerstörungskraft des Feuers galt, mit seinem Sohn auf dem Schoß in ein Feuer springen lassen. Doch Vishnu lies den Sohn auch dieses Mal nicht im Stich: Zum Erstaunen der Anwesenden verbrannte Holika, während der Sohn des Königs unversehrt blieb.

Am zweiten Tag ging dann richtig die Post ab. Warum? Lest selbst:

Eines Tages kam Krishna (eine Inkarnation von Vishnu) zu seiner Mutter und beschwerte sich über seine blaue Hautfarbe. War nicht die helle Haut seiner Gefährtin Radha viel schöner als seine eigene? Er war neidisch. Seine Mutter gab ihm einen Rat: Krishna würde Radha mit Farbe genauso bunt färben, wie er es war. Und Krishna befolgte ihren Rat.

... Und wir auch! Erst im Boarding-Home, dann in der Innenstadt von Jodhpur haben und – vor allem – wurden wir mit Farbpulver und gefärbtem Wasser ge- und beschmissen. Und selbst nach ewigem schrubben und vergeblichem Wäschewaschen ist mein Fazit: Bitte nochmal – Nochmal die Farbenschlacht, nochmal die Fahrt zum Clocktower zu zweiundzwanzigst in einen kleinen Jeep gequetscht, nochmal die Musik und die tolle Stimmung!

Farbschlacht im Boarding Home Die Sambhali-Volunteers In der Innenstadt    Mit Thekla

 

Sonntag, 20.03.2016

Zwei Mädels unterwegs in Indien: die blaue und goldene Stadt (und natürlich Setrawa!)

Alena, Leni, Linda und ich vor dem Center

Im letzten Monat hatte ich Besuch von Alena! Es war eine wunderschöne Zeit, die viel zu schnell vergangen ist und jetzt ist sie schon wieder auf dem Weg nach Dubai und Japan. Hier kommen ein paar Bilder von unserer tollen gemeinsamen Zeit:

Stadt“bummel“ durch die blaue Stadt von Jodhpur und das Fort...

Das Fort von Jodhpur Vor der blauen Stadt die blaue Stadt

Stoffe Shoppen

... und ein Ausflug nach Jaisalmer, die aus Sandstein erbaute goldene Stadt (Wir haben sie eher mit einer riesigen Sandburg verglichen). Im Gewühl der Gassen des Forts haben wir die berühmten Jain-Tempel und einen super Kochkurs gefunden (und noch ganz viel mer....). 

Jaisalmer Die berühmten Hain-Tempel von Jaisalmer Kochkurs

Außerdem haben wir eine Kamelsafari gemacht und in der Wüste übernachtet. Ein traumhafter Sternenhimmel! 

KamelreitenSchlafen in der Wüste

Sonntag, 20.03.2016

Geklaut von Lindas Blog: Und noch ein kleines Interview mit Pooja, einer Lehrerin von Sambhali

Linda hat ein zweites Interview geführt, dieses Mal mit Pooja, einer der drei Lehrerinnen von Sambhali. Hier findet ihr das Original!

1.Pooja, you’re teaching girls and women in the Sewing class and children with me in Peacock class. Do you enjoy teaching?

In the past I wanted to be a teacher. I like teaching, but I don’t think that I’m a good teacher.

2.What’s about your family? How many siblings do you have?

I have two sisters and one brother. I am the oldest of us. And you know, my mother is a cook in Jodhpur. If I’d be a boy, I could do something like being with my mum and helping her more. In the future I’d like to help my family more.

3.Would you rather live somewhere else?

No, I like to live in India. I want to live with my whole family. If I’d live somewhere else, I could not live with my family.

4.What do you think about us as volunteers?

I think you’re doing very good work. I’d also like to be a volunteer and help people.

The Empowerment Center in Setrawa really needs the volunteers. They teach the children new things and also we as the teacher are learning more.

5.Meera is married now for a long time. What do you think about marriages?

Weddings are good. I want to get married, but he has to be like me. He has to understand me and my family. Actually I’d like to meet him before and get to know him better. I wish there would be more time before the wedding, but this is not possible.

6.How should your future-husband be like?

He should be friendly and like my best friend. Also he should respect me and my family. But I think the most important part is that he should believe in me. I would not like it if he’s strict and tell me what to do. And he should have a good job.

7.What do you like about India?

India is very nice. I like that all family members are living together. If someone has any problem, everyone would help you. Also we have lots of festivals which we are celebrating together. And of course I like the colourful clothes (I don’t like western clothes), the culture and our believe in gods.

8.Germany has a completely different culture. Do you think you could live there?

If I have a nice partner, I think I could live in Germany. I could live anywhere, but I need my family with me. My family is the most important thing for me. I could not live without them. Also I only want to do something for my family, not for me. If I’m not helping my family, what else should I do?

9.Can you complete the following sentence please? “If I have one wish, I would…”

I don’t have any wish for me, only for my siblings. But if I have one wish, I’d like to have a fabric shop. Everything would change and I would be very happy.

Donnerstag, 03.03.2016

Mal ein anderer Blick auf "Sauberkeit"

Kurzes Quiz, wer der aufmerksamste Leser meines Blogs ist:

1. Wann sollte man am besten duschen?

  1. vor dem Schlafengehen
  2. jeden Morgen
  3. einmal pro Woche

2. Aus was besteht eine typische Mahlzeit in unserer Gastfamilie?

  1. Chapatti, Gemüsecurry oder Dal
  2. Chapatti, Gemüsecurry und an Festivals Chicken
  3. Chapatti, Gemüse- oder Ei-Curry 

3. Wie schockt uns unser Opa jeden Morgen aufs Neue?

  1. Er lässt seinen Lieblingssong laufen.
  2. Er trommelt an die Tür, weil wir endlich aufstehen sollen.
  3. Wir wachen davon auf, dass er lautstark seinen ganzen Naseninhalt ins Waschbecken rotzt. 

4. Von welchen Geräuschen wird jede Mahlzeit begleitet?

  1. Klappern von Messer und Gabeln
  2. Schmatzen und gelegentlichen Rülpsern 
  3. Mmmmmmhs

 

1B: jeden Morgen

Es ist sehr auffällig, dass unsere Familie und die Haushalte, bei denen ich bis jetzt zu Besuch war, meist ziemlich auf Sauberkeit bedacht sind: Tägliches Duschen ist selbstverständlich (und zwar morgens!); jeden Tag wird mindestens durchgefegt, wenn nicht auch noch gewischt; es darf nur mit bestimmten Eimern das Trinkwasser aus dem Tank geholt werden usw.. Das ist für uns etwas seltsam, wo doch die Sauberkeit im Haus im Widerspruch zum Zustand der Straßen zu stehen scheint. Dort stört es niemanden, einfach seinen Müll auf den Weg zu schmeißen.

     

2A: Chapatti, Gemüsecurry oder Dal:

In unserer Kaste (Khatri) wird nämlich vegetarisch gelebt und das bedeutet in Indien: kein Fleisch und kein Ei. Diese Regel gilt nicht für alle Kasten in Setrawa und ist von Region zu Region unterschiedlich. Gemeinsam haben aber alle, dass nicht nur die Sauberkeit des Körpers außen, sondern auch innen als wichtig angesehen wird. Traditioneller Weise wird diese „innere Sauberkeit“ z.B. durch eine reine Ernährung erreicht. Und deshalb verzichtet meine Familie auf Fleisch und Ei.

     

3C: Wir wachen davon auf, dass er lautstark seinen ganzen Naseninhalt ins Waschbecken rotzt.

Tja, ihr könnt euch vorstellen, dass das für uns ziemlich eklig ist! Aber aus Gründen der „inneren Sauberkeit“ ist es hier selbstverständlich, den Körper nicht nur außen von Schmutz zu reinigen, sondern auch innen. Das bedeutet: Raus damit! Und deshalb ist das ganze Prozedere hier ganz normal und gehört sozusagen zur morgendlichen Wasch-Routine.

 

4B: Schmatzen und gelegentlichen Rülpsern und C: Mmmmmhs

... denn das Essen ist einfach zu lecker! - wäre da nicht das Schmatzen und Rülpsen, das für uns am Anfang echt nicht gerade appetitlich war. Aber man gewöhnt sich an alles – und: dank dem Buch „Die Inder“ (sehr empfehlenswert!) habe ich auch eine ziemlich interessante Erklärung dafür gefunden.

Darin wird die These aufgestellt, dass alle Menschen im Grunde um ihre Schmutzigkeit wissen, gleichzeitig aber eigentlich sauber und rein sein wollen. Deshalb verleugnen wir unsere „Unreinheit“.

Bei uns geschieht das durch eine Tabuisierung der Körperöffnungen, da aus ihnen der Schmutz schlussendlich zum Vorschein kommt. Alles, was damit zu tun hat, ist eklig: Rotzen, Furzen, das Benutzen der Hand zum Reinigen auf der Toilette etc.. Und das Wort für die ekligste Körperöffnung ist im westlichen Sprachgebrauch zum Ausdruck geworden: Arschloch!

In Indien gibt es diesen Ausdruck nicht (natürlich gibt es ganz viele andere, aber ursprünglich sind es eher inzestuöse Ausdrücke, Beispiel „Maderchod“). Denn hier gilt quasi das Gegenteil: Körperöffnungen werden nicht als „Ursprung des Übels“ angesehen und nicht in dem Maße wie in unserer Kultur tabuisiert. Stattdessen ist es eklig, den Schmutz im Körper zu behalten (denn innen sauber zu ein ist ja wichtig!).

Und der einzige Ausweg ist dann: Rotzen, Furzen, Rülpsen!!! 

Samstag, 27.02.2016

Chaos im Kopf

In letzter Zeit habe ich viel über die Unterschiede zwischen Indien und Deutschland nachgedacht. Die Unterschiede, die uns einerseits faszinieren, gleichzeitig aber auch abschrecken und manchmal zu Vorurteilen und Ablehnung führen. Und auf die ich, wie ich bemerkt habe, doch sehr emotional reagieren kann. Ich glaube, das liegt daran, dass ich oft nicht weiß, mit welchen Maßstäben ich diese Unterschiedlichkeit bewerten soll, denn was entscheidet über Richtig oder Falsch, Gut oder Schlecht – das deutsche oder das indische „System“?

Und wenn man auf diese Frage nach einem halben Jahr Indien nicht mehr entschieden antworten kann, ja dann herrscht erst einmal eine ziemliche Verwirrung. Um nur einen kleinen Einblick in meinen Kopf und die Fragen zu geben, die mich im Moment umtreiben:

Ist die arrangierte Ehe schlecht? Bzw. ist die Liebesheirat unter jeden Umständen besser?

Warum ist das Individuum in Deutschland für die meisten so wichtig? Ist das gut?

Wer sieht die Welt „richtiger“ – Inder oder Deutsche?

Warum sehen wir Deutschen uns als Menschen im Allgemeinen eher getrennt von Natur oder höheren Mächten, Inder sich dagegen eher im Einklang damit?

Was ist Würde und was ist ein würdiges Leben?

Wo bleibt bei Kasten, dem Unterschieden von Männern und Frauen, Arm und Reich die Gerechtigkeit?

Ist es besser, „etwas Falsches als nichts“ (das wären dann eher die Deutschen) oder „nichts als etwas Falsches“ (die typisch indische Einstellung) tun?

Welchen Wert sollte Familie haben?

Warum ist mir das „indische System“ nicht selten viel sympathischer, obwohl es gleichzeitig so viel gibt, das mich am liebsten laut aufschreien lassen würde?

Und wo ist meine Entschiedenheit geblieben, auf diese Fragen zu antworten?

 

Ich denke, diese Fragen sind nicht nur in meiner Situation aktuell, sondern überall auf der Welt, wenn  Kulturen und unterschiedliche Werte aufeinanderstoßen. Das ist bei mir im Moment in Indien der Fall, aber so, wie ich das hier im fernen Setrawa mitbekomme, ist in Deutschland der Umgang mit Fremdem ja gerade auch ein großes Thema. Im einen Fall einen tauche ich ins Fremde ein, im anderen kommt das Fremde zu uns.

Das kann beängstigend sein und ich finde, das darf es auch. Solange dadurch nicht Kommunikation und Austausch drauf gehen. So oft erscheint Fremdes auf den ersten Blick unverständlich und damit unnötig oder abstoßend. Kennt man die Beweggründe des anderen, sieht das meist schon wieder ganz anders aus. Wie oft ist mir hier in Indien schon im Nachhinein ein Licht aufgegangen und ich dachte: Ach deshalb war das so!. Und plötzlich war das Fremde gar nicht mehr so unsinnig und blöd.

Und deshalb möchte ich in den nächsten Blogeinträgen mehr über die Hintergründe der kulturellen Unterschiede, die ich hier erlebe, schreiben. Mein Ziel ist nicht unbedingt, auf alle oben gestellten  Fragen Antworten zu finden, sondern dass ich selbst und vielleicht auch ihr zum Nach- und Überdenken angeregt werden.

Und wenn wir mal ein paar der wichtigsten Werte unserer Gesellschaft beim Wort nehmen - Gleichheit, Gerechtigkeit, Fairness, Brüderlichkeit: Heißt das nicht auch, anderen Sichtweisen eine Chance zu geben?

 

P.S. Ich lebe noch! Habe mein Handy bloß geschrottet und warte auf die Reparatur...

 

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