Berichte von 11/2015

Freitag, 13.11.2015

Happy Diwali!

Diese Woche war Diwali, das Fest des Lichts, das ungefähr so wichtig ist wie für uns Weihnachten oder Silvester (oder eine Mischung daraus?). Ganz Setrawa war plötzlich voll mit Menschen und geschäftigem Treiben, denn Diwali, oder auch Deepawali genannt, musst ausführlich vorbereitet werden.

Auch in unserem Haus hat sich eine festliche Stimmung breitgemacht. Unser Opa war so gut drauf wie sonst auch – und sein immer besser werdendes Englisch nutzt er für ziemlich amüsante Sprüche. Deshalb überlasse ich es dieses Mal ihm, die Frage zu beantworten, die euch wahrscheinlich auf der Zunge brennt: „Diwali, what is this item?“

 

Step 1: „Hey hey hey, you go back Germany?“

Schon Wochen im Voraus haben wir Diwali hier und Diwali da gehört. Nun ja, die Vorbereitungen beginnen nicht so glamourös wie man vielleicht erwarten würde – nämlich mit: Putzen. Putzen, Putzen und nochmals Putzen. Für Diwali wird das gesamte Haus komplett gereinigt, und hier werden keine halben Sachen gemacht! So kam es, dass wir vor einer Woche unsere Koffer packen mussten (was unseren Opa ziemlich amüsiert hat) und dann ging es los: Unser Zimmer wurde ausgeräumt, gefegt, mit Wasser abgespritzt, mit Seife geschrubbt, ein paar Male halb überflutet und (nach sechs bis sieben Stunden) wieder eingeräumt. Danach waren wir fix und fertig, aber es hat sich gelohnt – ihr wollt nicht wissen, wie viel Staub, Sand und Spinnen sich in den hintersten Winkeln versteckt hatten! Die Göttin Laxmi, für die das alles gemacht wird, hat also bestimmt in unserem Zimmer vorbeigeschaut.

Die Koffer werden gepackt

 

Step 2: „Rest is best!“

Ja, wie recht er hat! Und deshalb war es uns gar nicht so unrecht, dass nach unserer Putzaktion einige Unterrichtsstunden ausgefallen sind. Weil die Frauen zu Hause – ihr könnt es euch denken – mit Putzen beschäftigt waren.

 

Step 3: „Make Diwali-sweets.“

In den letzten Tagen wurden dann am laufenden Band Süßigkeiten produziert (was mich ein bisschen an die Weihnachtsbäckerei erinnert hat). Hier wurde mal wieder deutlich, dass der Gesundheitsbewusst-Leben-Fimmel noch nicht bis nach Setrawa vorgedrungen ist. Wir haben uns vorgestellt, wie jemand überlegt haben muss: Wie kann ich etwas so ungesund wie möglich machen?

Ach ja, die Antwort lautet: Mache einen süßen Teig, frittiere ihn und tunke ihn in Sirup. Und iss schön viel davon!

 

Step 4: „Oh oh oh!“

Da hat unser Opa ganz schön gestaunt, als wir mit unseren wunderschönen Mehndis (Henna) vom Empowerment Center zurückkamen. Die Lehrerinnen Pooja und Suman sind echte Künstlerinnen darin! Denn auch im Center wurde Diwali natürlich kräftig vorbereitet. Wir haben Diwali-Cards gebastelt und meine sonst so frechen Jungs haben mich mit ein paar sehr sehr süßen Karten überrascht <3

 

Step 5: „This program is a good?“

 

Am Mittwoch war es dann soweit. Das Fest des Lichts war gekommen. Es wurden noch mehr Lichter angezündet und noch mehr Böller abgeschossen als an den Abenden zuvor. Unser Gastbruder hat uns natürlich zu einem der vielen Stände geschleppt, die Raketen und Böller verkaufen, und selbst auch gut zugelangt. Ich weiß nicht, ob es an der Ruhe Setrawas (zumindest sonst!) liegt oder an den indischen Böllern – Linda und ich haben auf jeden Fall ziemlichen Respekt vor diesen Knallern! (Vielleicht könnt ihr das nach diesem Bild ein bisschen verstehen – unsere Kuh links nicht übersehen, die um ihr Leben rennt...)

Außerdem haben wir uns schick gemacht, denn wir durften sogar dabei sein, als für die Göttin Laxmi gebetet wurde. Meera hat uns zwei wunderschöne Saris geliehen und so saßen wir in unserem Festagsoutfit im Tempel-Zimmer, während unser Opa im Beisein der Familie Obst, Kokosnüsse, Geld und Süßigkeiten für die Göttin bereitgestellt hat. Wir alle haben dann 10 Rupees bekommen, ein rotes Bändchen um den Arm und natürlich ganz viele Süßigkeiten. Es war ein sehr schönes Gefühl, so dabei sein zu dürfen.

 

Step 6: „What is this people?“

Dieses Zitat stammt strenggenommen von vor Diwali, als wir Besuch von Freiwilligen aus Chennai hatten. Unser Opa war sichtlich verwirrt und amüsiert von Robert, der eine Hippie-Hose getragen hat. Aber es passt trotzdem, denn am nächsten Tag war der Tag der Besuche. Meera hatte viel zu tun, denn die ganzen Gäste mussten bewirtet werden (überhaupt hat das Festival ihr unglaublich viel Arbeit bereitet...). Dalynn, Leni, Linda und ich haben die anderen beiden Lehrerinnen besucht und – mal wieder – ganz viele Süßigkeiten probieren dürfen.

Lenis Geburtstag

 

Step 7: "Happy Diwali – Happy and happiness!“

 

 

Dienstag, 03.11.2015

Ek, do, tin!

Peacock-Class Sewing-Class

Tin! Jetzt sind wir wirklich drei Monate in Indien!

Ich musste kurz überlegen, ob ich „schon drei Monate“ schreiben soll, aber genauso gut könnten es „erst drei Monate“ sein – und das nicht im negativen Sinne. Schon drei Monate, weil die Zeit unglaublich schnell vergeht und ich nicht glauben kann, dass in Deutschland schon der Herbst in Winter übergehen muss (auch wenn es hier – oh Wunder! – auch kühler wird). Gleichzeitig aber auch erst drei Monate, da so viel passiert ist, dass mir meine Zeit in Setrawa oft viel länger als ein Vierteljahr vorkommt.

Nun ja, ob schon oder erst, die letzten Monate waren eine aufregende und ereignisreiche Zeit: Drei Monate...

  • in denen ich viele neue Freunde gefunden habe. Meine Mitfreiwilligen, meine Gastfamilie, die Sambhali-Lehrerinnen und –SchülerInnen, aber auch unseren Ventilator (liebevoll „Venti“ genannt) – leider muss er jetzt in den kalten Monaten ruhen - oder unseren treuen Freund, den wir jeden Tag auf dem Weg zu Sambhali treffen: die Ziege mit dem Überbiss.
  • nach denen es sich seltsam anfühlen würde, nicht mit den Fingern und auf dem Boden sitzend zu essen.
  • in denen aus „Tata“´s oder „Hi“´s, „Lilliiiii“´s und „Hannaaaah“´s wurden. Die hören wir jetzt überall, von kleinen und großen Kinderstimmen, von bekannten und unbekannten Gesichtern: auf dem Weg zu Sambhali und auf dem Markt, in der Private School - oder direkt neben meinem Bett, wenn sich mal wieder eine Horde Kinder einen Spaß daraus macht, ihre Lehrerinnen vom Fenster aus zu beobachten. Manchmal erschrecke ich mich total, wenn direkt neben mir eine Stimme ertönt: „Hello Hannah Madame, your new hair is beautiful!“. Wenn der Tumult zu groß wird, sind wir mittlerweile dazu übergegangen, ebenfalls höflich „Byeee!“ zu rufen und die Fensterläden zu schließen.
  • Falls ihr euch fragt, warum nicht „Lindaaa“ gerufen wird: Es waren auch drei Monate, in denen wir ein paar Hindi-Vokabeln gelernt haben. Tja, und da hat Linda kurzerhand beschlossen, ihren Namen geheim zu halten. „Linda“ heißt auf Hindi nämlich „big poop“ und da „Lindi“, „little poop“, auch nicht viel besser ist, heißt Linda jetzt für die Allgemeinheit Lilli. Gar nicht mal so un-indisch, denn hier haben die meisten Kinder einen Namen für zu Hause und einen für außerhalb. Chotu heißt z.B. in der Schule Mangvendra.
  • mit Stromausfällen und leeren Wassertanks, umso schöner, wenn ich gerade im Bad bin. Da hilft nur: anziehen, zum anderen Tank laufen, um einen Eimer aufzufüllen und weiterduschen. Neuerdings mache ich das sowieso schon vor dem Duschen, da das Wasser aus diesem Tank nicht so eiskalt ist (und es wird ja Winter!).
  • in denen der Unterricht immer mehr Spaß macht.
  • mit holprigen Busfahrten nach Jodhpur und Jaisalmer, eingequetscht zwischen (zu) vielen Menschen. Wir haben es überlebt... Vor allem wegen der schönen Aussicht, was uns am Ende erwarten würde!
  • in denen ich den Roman „Noah“ von Fitzek gelesen habe, über mein Leben hier in Indien nachgedacht und mich gefragt habe: Wozu in aller Welt brauchen wir Jeans, bei deren Produktion die chinesischen Arbeiter Lungenkrebs bekommen, weil sie mit Schleifmaschinen Farbe von den Hosen runterhobeln, damit sie gebraucht aussehen?
  • in denen ich extrem glückliche und nicht so glückliche Momente hatte, aber nach denen ich sagen kann: Das Leben hier fasziniert und beeindruckt mich, ich lerne viel (Wer wusste schon, dass bei Magenproblemen Zucker mit etwas Salz und Chili um den Kopf geschwenkt werden muss?), habe Zeit zum Nachdenken und bin sehr zufrieden.
  • mit 138 Tassen Chai.

Private School Peacock-Class