Berichte von 12/2015

Mittwoch, 30.12.2015

Stuttgarter Nachrichten Nr.4

Schaut mal auf Stuttgarter Nachrichten: Als Nikolaus durch Mumbai :)

Sonntag, 20.12.2015

Frohe Weihnachten!!!

Donnerstag, 17.12.2015

Ein kleines Advents-Trösterchen

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? - Vielleicht bei euch in Deutschland, aber in Setrawa nicht! Trotzdem: keine Angst, die Inder sind uns in Sachen Festivitäten glaube ich klar überlegen, und mein Advent ist zwar nicht unbedingt adventlich, aber feierlich allemal.

Ende November beginnt nämlich die Hochzeitssaison. Und so kommt es, dass wir eine echte indische Hochzeit miterleben durften – Klingt vielversprechend, oder? Aus Bollywood-Filmen, den Medien und woher auch immer hatte ich schon Großes erwartet. Vieles zu Recht, manches zu Unrecht, wie sich herausgestellt hat!

 

Klischee Nr.1: Tanzen, tanzen, tanzen!

Aber hallo! Ob zu lauter Bollywood-Musik oder zu Trommeln und einem Thali, das zu einem Triangel ähnlichen Instrument umfunktioniert wurde, ob kleine Jungs oder Frauen im festlichen Sari – getanzt wurde jeden Tag, sogar schon auf der Feier vor der eigentlichen Hochzeit. So wurden uns einige Ohrwürmer verpasst (Ich sage nur: Boyfriend Girlfriend Nananana oder Chittiyaan Kalaiyan). Ich bin ein bisschen neidisch: So möchte ich mich auch bewegen können! Tanzen bei der Begrüßung des Bräutigams

 

Klischee Nr.2: Das ganze Dorf kommt

Naja, das stimmt nicht ganz. Ja, wir haben ziemlich viele bekannte Gesichter auf unserer Hochzeit gesehen (Da merkt man erst mal, wie viele Leute wir hier doch schon kennen!). Aber genauso, wie geregelt ist, wer wen heiraten darf, gibt es auch (für mich nicht überschaubare) Regeln, wer wo eingeladen wird. Fragt mich also nicht, welche Kaste bei welcher Kaste zu Gast sein darf oder warum wir als Khatris bei Rajputs eingeladen waren...

 

Klischee Nr.3: Bis zum Umfallen

Linda und ich sitzen in unserem Zimmer und bereiten Unterricht vor, als plötzlich Lalita und Kushi ins Zimmer gestürmt kommen: „The wedding started!“. Wir kennen die beiden von unserem täglichen Weg zu Sambhali und Lalita hat uns zur Hochzeit ihrer Schwester am Sonntag eingeladen. Aber heute ist Mittwoch?!

mit Kushi (vorn) und Lalita (hinten)

Tja, nur ein Tag wie bei uns genügt für eine indische Hochzeit nicht. Sie geht mindestens vier bis fünf Tage! Jeden Tag gibt es spezielle Rituale, die durchgeführt werden. Wir haben in diesem Fall die Seite der Braut miterlebt, wie sie Schritt für Schritt immer festlicher gekleidet wurde, wie sie und ihr Bruder unter einem Tuch von den Familienmitgliedern Farbe auf Stirn, Füße, Knie und Schultern bekommen haben, wie ihr eine Mischung aus Wasser und Mehl in die Haare massiert wurde. Wir durften mit der Familie, Tanz und Trommeln durchs Dorf ziehen und gemeinsam essen. Denn erst in der letzten Nacht trifft der Bräutigam samt Familie im Haus der Braut ein.

              

 

Klischee Nr.4: Die Mitgift

Die ganze Zeit hatte ich schon in das Hinterzimmer gespäht, das man vom Eingangsbereich des Hauses sieht. Ziemlich ungemütlich eingerichtet, dachte ich erst – bis Lalita uns stolz hinein geführt hat. Die Nähmaschine, die riesige Metalltruhe mit feinen Saris, der Herd, der Kühlschrank, die Töpfe, die Waschmaschine, die Sofas: Es stellte sich heraus, dass das alles Geschenke des Vaters an seine Tochter waren, die jetzt zu der Familie ihres Mannes ziehen würde. Mir wurde erst später klar, dass das die Mitgift der Braut war.

 

Klischee Nr.5: Die traurige Braut

Es war eine unglaubliche Atmosphäre, als wir das erste Mal zur Hochzeit kamen. Alle Gäste waren festlich geschmückt, die Frauen haben gesungen und vorn saßen die Braut und ihre Familie. Es war sehr schön und festlich, gleichzeitig aber unendlich traurig. Die Braut, die weg von ihrer Familie zu einem nahezu Fremden und seiner Familie ziehen wird, musste während der ganzen Zeremonie weinen. Genauso die anderen Familienmitglieder.

Ja, die Hochzeit war, wie fast jede Hochzeit hier, arrangiert. Für mich ist das nach wie vor befremdlich, andererseits kenne ich mittlerweile Mädchen wie Rakhi, Lenis Gastschwester, die frisch verlobt ist und die arrangierte Ehe eher positiv sieht. Sie hat jetzt das Bild ihres Zukünftigen in der Tasche, man sieht einen Mann, mit dem sie bis jetzt fünf Minuten ohne ihre Eltern zusammen war, aber sie ist sich sicher, dass ihre Eltern schon den Richtigen ausgesucht haben. Trotzdem möchte ich mir nicht vorstellen, wie ich mich an ihrer Stelle fühlen würde. Aber um Meeras bekannte Worte zu verwenden: This is India, it´s different.

 

Klischee Nr.6: Ein Traum von Farben

Da versprechen die Bollywood-Filme nicht zu viel! Die Hochzeit war die reinste Modenschau und ich habe noch nie so viele schöne Stoffe und feinen Goldschmuck auf einem Haufen gesehen. Mit jedem Tag war die Braut noch schöner gekleidet und auch der Bräutigam war wie ein Maharadscha geschmückt, trug einen orangenen Turban und kam, um das Ganze perfekt zu machen, auf einem Pferd angeritten. Beide waren in der letzten Nacht mit Henna bemalt worden und es sah einfach, mir fällt kein anderes Wort dafür ein, königlich aus!

 

Dienstag, 01.12.2015

Zwei Wochen reisen

Die letzten zwei Wochen ging´s ab in den Süden, erst in die Mega-City Mumbai und von dort in die Städchen Badami und Gokarna, dann zu den „world-famous“ (wenn es die Inder so schreiben muss es wohl stimmen) Jog-Falls und nach Bangalore. Es waren ereignisreiche und aufregende zwei Wochen mit einer guten Mischung aus Stadtleben, Schlemmen, Strand, Natur, alten und neuen Tempeln (und nochmals Schlemmen) – wir vier Mädels haben es uns gutgehen lassen. Auch wenn es ein paar spannende Momente, z.B. bei der Bushaltestellensuche auf einem Mumbaier Markt gegeben hat, haben Tabea, Leni, Linda und ich den Urlaub in vollen Zügen genossen.

Hier kommen ein paar Bilder (ach ja, falls ihr euch fragt, wer die ganzen Inder auf manchen Bildern sind – tja, vier weiße Mädchen fallen eben doch auf --> „Selfie?“).

 

Los ging´s mit dem Nachtzug nach Mumbai, und als ob das allein nicht spannend genug wäre haben wir keine Platzreservierungen mehr bekommen können und mussten dem strengen Schaffner erst einmal gut zureden, damit er uns nicht für die 16h Fahrt nicht auf den Gang befördert...

             Die Zugfahrt Selfie?

Die erste Nacht haben wir bei Petal verbracht, einer Lehrerin der St. Francis School, die ich bei meinem Austausch vor zwei Jahren kennengelernt habe.

Mit Petal bei der Great Pagoda 

Mumbai, Elephanta Caves (von ziemlich frechen Affen bevölkert) und Köstlichkeiten bis zum Geht-Nicht-Mehr...

            Neue Bekannte...

                          

Crawfort-Market Mmmmh... 

Mumbais große Dobi Ghats und unsere:

    Dobi Ghats  

Nachdem wir endlich den Bus gefunden hatten (einen Tag später) ging´s nach Badami:

    Badami Leni und ich vor dem Badami-Lake 

Dann nach Gokarna an den Strand...

    Mal wieder Foto-Shooting Gokarna  

Und zu den berühmten (?) Jog-Falls, die im Moment leider eher ein Rieselchen sind, aber egal: Wir hatten Spaß bei unserer „Rafting-Tour“ mit einer Gruppe sehr lustiger Inder!

     Autofahrt beeindruckt von den Jog-Falls Rafting-Tour-Selfie!