Berichte von 03/2016

Donnerstag, 31.03.2016

Stuttgarter Nachrichten Nr. 6

Im März war der Chef von Sambhali Trust, Govind, in Europa und unter anderem auch zu Besuch bei meinen Eltern in Stuttgart. Dort hat er nicht nur den Birkenkopf und den Fernsehturm besichtigt, er war auch im Ebelu, wo ich im vergangenen Jahr mein Abi gemacht habe, und hat einen kleinen Vortrag gehalten. Hier könnt ihr mehr darüber lesen!

Sonntag, 27.03.2016

Feste der Farben

„You are the color in my life and I am the color in your life.“

Meera über die Bedeutung des Fests der Farben

Ostern in Setrawa

Ich wünsche euch einen schönen Ostersonntag und frohes Eiersuchen! Esst eins für mich mit, denn die letztem Tage waren zwar so bunt durchmischt wie ein Osterei, aber Eier sind nunmal in unserer Familie wie in vielen Haushalten in Setrawa nicht erlaubt. Macht nichts, der Osterhase hat in Setrawa einfach ganz viele indische Süßigkeiten statt Eiern versteckt und ein Osterfrühstück auf unserer Sanddüne tut´s auch!

Also: keine Ostereier und kein Eierbemalen - dafür wurde der Frühling hier mit einem indischen Farbenfestival begrüßt: Holi!

Über Holi sind wir nach Jodhpur gefahren, um dort mit den anderen Volunteers und den Mädchen vom Boarding-Home von Sambhali zu feiern. Die Mädels kommen aus Setrawa und Umgebung und es war besonders schön, Lalita und Nisha, meine Gastschwester und Cousine, wiederzusehen.

Wie für alle Feierlichkeiten gibt es auch zu Holi zahlreiche Geschichten. Leider ist es nicht so einfach, sich die ausführlich erzählen zu lassen (man verliert den Überblick mit den ganzen Gottheiten und oft reicht der englische Wortschatz auf beiden Seiten nicht aus), aber ein paar Geduldige haben es trotzdem versucht und ich habe später noch Google befragt. Hier kommen also die zwei (ich hoffe, ich habe das richtig verstanden) wichtigsten Geschichten über Holi:

Erster Tag von Holi

Am ersten Tag von Holi wurde ein riesiges Feuer gemacht, um das wir uns alle versammelt haben. Dem liegt die erste Geschichte zu Grunde:

Es war einmal ein eitler König, der wie Gott verehrt werden wollte. Sein Sohn aber verehrte nur die Gottheit Vishnu. Das fand der König gar nicht lustig und beschloss, seinen Sohn zu töten. Mehrere Male versuchte er es, aber Vishnu beschützte den Sohn sehr gut und er entrann dem Tode. Da dachte sich der König eine List aus: Er würde die Dämonin Holika, eine Verwandte, die als immun gegen die Zerstörungskraft des Feuers galt, mit seinem Sohn auf dem Schoß in ein Feuer springen lassen. Doch Vishnu lies den Sohn auch dieses Mal nicht im Stich: Zum Erstaunen der Anwesenden verbrannte Holika, während der Sohn des Königs unversehrt blieb.

Am zweiten Tag ging dann richtig die Post ab. Warum? Lest selbst:

Eines Tages kam Krishna (eine Inkarnation von Vishnu) zu seiner Mutter und beschwerte sich über seine blaue Hautfarbe. War nicht die helle Haut seiner Gefährtin Radha viel schöner als seine eigene? Er war neidisch. Seine Mutter gab ihm einen Rat: Krishna würde Radha mit Farbe genauso bunt färben, wie er es war. Und Krishna befolgte ihren Rat.

... Und wir auch! Erst im Boarding-Home, dann in der Innenstadt von Jodhpur haben und – vor allem – wurden wir mit Farbpulver und gefärbtem Wasser ge- und beschmissen. Und selbst nach ewigem schrubben und vergeblichem Wäschewaschen ist mein Fazit: Bitte nochmal – Nochmal die Farbenschlacht, nochmal die Fahrt zum Clocktower zu zweiundzwanzigst in einen kleinen Jeep gequetscht, nochmal die Musik und die tolle Stimmung!

Farbschlacht im Boarding Home Die Sambhali-Volunteers In der Innenstadt    Mit Thekla

 

Sonntag, 20.03.2016

Zwei Mädels unterwegs in Indien: die blaue und goldene Stadt (und natürlich Setrawa!)

Alena, Leni, Linda und ich vor dem Center

Im letzten Monat hatte ich Besuch von Alena! Es war eine wunderschöne Zeit, die viel zu schnell vergangen ist und jetzt ist sie schon wieder auf dem Weg nach Dubai und Japan. Hier kommen ein paar Bilder von unserer tollen gemeinsamen Zeit:

Stadt“bummel“ durch die blaue Stadt von Jodhpur und das Fort...

Das Fort von Jodhpur Vor der blauen Stadt die blaue Stadt

Stoffe Shoppen

... und ein Ausflug nach Jaisalmer, die aus Sandstein erbaute goldene Stadt (Wir haben sie eher mit einer riesigen Sandburg verglichen). Im Gewühl der Gassen des Forts haben wir die berühmten Jain-Tempel und einen super Kochkurs gefunden (und noch ganz viel mer....). 

Jaisalmer Die berühmten Hain-Tempel von Jaisalmer Kochkurs

Außerdem haben wir eine Kamelsafari gemacht und in der Wüste übernachtet. Ein traumhafter Sternenhimmel! 

KamelreitenSchlafen in der Wüste

Sonntag, 20.03.2016

Geklaut von Lindas Blog: Und noch ein kleines Interview mit Pooja, einer Lehrerin von Sambhali

Linda hat ein zweites Interview geführt, dieses Mal mit Pooja, einer der drei Lehrerinnen von Sambhali. Hier findet ihr das Original!

1.Pooja, you’re teaching girls and women in the Sewing class and children with me in Peacock class. Do you enjoy teaching?

In the past I wanted to be a teacher. I like teaching, but I don’t think that I’m a good teacher.

2.What’s about your family? How many siblings do you have?

I have two sisters and one brother. I am the oldest of us. And you know, my mother is a cook in Jodhpur. If I’d be a boy, I could do something like being with my mum and helping her more. In the future I’d like to help my family more.

3.Would you rather live somewhere else?

No, I like to live in India. I want to live with my whole family. If I’d live somewhere else, I could not live with my family.

4.What do you think about us as volunteers?

I think you’re doing very good work. I’d also like to be a volunteer and help people.

The Empowerment Center in Setrawa really needs the volunteers. They teach the children new things and also we as the teacher are learning more.

5.Meera is married now for a long time. What do you think about marriages?

Weddings are good. I want to get married, but he has to be like me. He has to understand me and my family. Actually I’d like to meet him before and get to know him better. I wish there would be more time before the wedding, but this is not possible.

6.How should your future-husband be like?

He should be friendly and like my best friend. Also he should respect me and my family. But I think the most important part is that he should believe in me. I would not like it if he’s strict and tell me what to do. And he should have a good job.

7.What do you like about India?

India is very nice. I like that all family members are living together. If someone has any problem, everyone would help you. Also we have lots of festivals which we are celebrating together. And of course I like the colourful clothes (I don’t like western clothes), the culture and our believe in gods.

8.Germany has a completely different culture. Do you think you could live there?

If I have a nice partner, I think I could live in Germany. I could live anywhere, but I need my family with me. My family is the most important thing for me. I could not live without them. Also I only want to do something for my family, not for me. If I’m not helping my family, what else should I do?

9.Can you complete the following sentence please? “If I have one wish, I would…”

I don’t have any wish for me, only for my siblings. But if I have one wish, I’d like to have a fabric shop. Everything would change and I would be very happy.

Donnerstag, 03.03.2016

Mal ein anderer Blick auf "Sauberkeit"

Kurzes Quiz, wer der aufmerksamste Leser meines Blogs ist:

1. Wann sollte man am besten duschen?

  1. vor dem Schlafengehen
  2. jeden Morgen
  3. einmal pro Woche

2. Aus was besteht eine typische Mahlzeit in unserer Gastfamilie?

  1. Chapatti, Gemüsecurry oder Dal
  2. Chapatti, Gemüsecurry und an Festivals Chicken
  3. Chapatti, Gemüse- oder Ei-Curry 

3. Wie schockt uns unser Opa jeden Morgen aufs Neue?

  1. Er lässt seinen Lieblingssong laufen.
  2. Er trommelt an die Tür, weil wir endlich aufstehen sollen.
  3. Wir wachen davon auf, dass er lautstark seinen ganzen Naseninhalt ins Waschbecken rotzt. 

4. Von welchen Geräuschen wird jede Mahlzeit begleitet?

  1. Klappern von Messer und Gabeln
  2. Schmatzen und gelegentlichen Rülpsern 
  3. Mmmmmmhs

 

1B: jeden Morgen

Es ist sehr auffällig, dass unsere Familie und die Haushalte, bei denen ich bis jetzt zu Besuch war, meist ziemlich auf Sauberkeit bedacht sind: Tägliches Duschen ist selbstverständlich (und zwar morgens!); jeden Tag wird mindestens durchgefegt, wenn nicht auch noch gewischt; es darf nur mit bestimmten Eimern das Trinkwasser aus dem Tank geholt werden usw.. Das ist für uns etwas seltsam, wo doch die Sauberkeit im Haus im Widerspruch zum Zustand der Straßen zu stehen scheint. Dort stört es niemanden, einfach seinen Müll auf den Weg zu schmeißen.

     

2A: Chapatti, Gemüsecurry oder Dal:

In unserer Kaste (Khatri) wird nämlich vegetarisch gelebt und das bedeutet in Indien: kein Fleisch und kein Ei. Diese Regel gilt nicht für alle Kasten in Setrawa und ist von Region zu Region unterschiedlich. Gemeinsam haben aber alle, dass nicht nur die Sauberkeit des Körpers außen, sondern auch innen als wichtig angesehen wird. Traditioneller Weise wird diese „innere Sauberkeit“ z.B. durch eine reine Ernährung erreicht. Und deshalb verzichtet meine Familie auf Fleisch und Ei.

     

3C: Wir wachen davon auf, dass er lautstark seinen ganzen Naseninhalt ins Waschbecken rotzt.

Tja, ihr könnt euch vorstellen, dass das für uns ziemlich eklig ist! Aber aus Gründen der „inneren Sauberkeit“ ist es hier selbstverständlich, den Körper nicht nur außen von Schmutz zu reinigen, sondern auch innen. Das bedeutet: Raus damit! Und deshalb ist das ganze Prozedere hier ganz normal und gehört sozusagen zur morgendlichen Wasch-Routine.

 

4B: Schmatzen und gelegentlichen Rülpsern und C: Mmmmmhs

... denn das Essen ist einfach zu lecker! - wäre da nicht das Schmatzen und Rülpsen, das für uns am Anfang echt nicht gerade appetitlich war. Aber man gewöhnt sich an alles – und: dank dem Buch „Die Inder“ (sehr empfehlenswert!) habe ich auch eine ziemlich interessante Erklärung dafür gefunden.

Darin wird die These aufgestellt, dass alle Menschen im Grunde um ihre Schmutzigkeit wissen, gleichzeitig aber eigentlich sauber und rein sein wollen. Deshalb verleugnen wir unsere „Unreinheit“.

Bei uns geschieht das durch eine Tabuisierung der Körperöffnungen, da aus ihnen der Schmutz schlussendlich zum Vorschein kommt. Alles, was damit zu tun hat, ist eklig: Rotzen, Furzen, das Benutzen der Hand zum Reinigen auf der Toilette etc.. Und das Wort für die ekligste Körperöffnung ist im westlichen Sprachgebrauch zum Ausdruck geworden: Arschloch!

In Indien gibt es diesen Ausdruck nicht (natürlich gibt es ganz viele andere, aber ursprünglich sind es eher inzestuöse Ausdrücke, Beispiel „Maderchod“). Denn hier gilt quasi das Gegenteil: Körperöffnungen werden nicht als „Ursprung des Übels“ angesehen und nicht in dem Maße wie in unserer Kultur tabuisiert. Stattdessen ist es eklig, den Schmutz im Körper zu behalten (denn innen sauber zu ein ist ja wichtig!).

Und der einzige Ausweg ist dann: Rotzen, Furzen, Rülpsen!!!