Berichte von 04/2016

Montag, 25.04.2016

Regeln über Regeln Nr.2

Donnerstags keine Wäsche waschen! Nicht pfeifen! Dupatta tragen!

Vielleicht erinnert ihr euch sicherlich noch an die nicht so kurze Liste von Regeln, die in Lindas und meinem indischen Zuhause gelten und die ich im September zusammengetragen habe ("It is not allowded!"). Manche der Regeln haben mich amüsiert, manche kamen mir vielleicht etwas unnötig vor und andere haben im ersten Moment Ablehnung ausgelöst. Aber: Andere Länder, andere Sitten; oder in den Worten meiner Gastmama Meera: „This is India. India is different.“.

Dieser Satz hat mir vor allem zu Beginn meines Aufenthaltes geholfen, manche Regeln leichter hinnehmen zu können. Mittlerweile habe ich aber nicht mehr das Gefühl, dass die Menschen, die ich hier kennenlerne, so anders, so „different“, sind. Doch damit stehe ich vor einer großen Frage: Warum gibt es die Regeln dann?

Und bin auf der Suche nach Erklärungsansätzen, was nicht einfach ist! Hier kommt also eine Fortsetzung der Regel-Liste samt Erklärungsversuchen:

 

  1. Die Chapatti-Bällchen     Chapatti sind hier das A und O jeder Mahlzeit und für uns nicht mehr wegdenkbar: ein typisches Gericht besteht aus den pfannkuchenartigen Broten und Sabji, der Gemüsesoße, oder Dal. Für die Frauen des Hauses bedeutet das viel Arbeit, jeden Morgen und jeden Abend muss die Chapatti-Box gefüllt werden (es sei denn es ist einer der seltenen Tage, wo es doch mal Reis gibt). Zuerst wird der Teig aus Weizenmehl, Salz, Wasser und etwas Öl geknetet und dann werden Bällchen geformt, die ausgewellt werden. Doch wer dabei behilflich sein will muss aufpassen; Es dürfen nicht mehr als zwei bis drei Bällchen geformt werden, ohne sie auszurollen! Meeras Erklärung: Das macht man nur, wenn jemand gestorben ist.
  1. Die ersten drei Chapatti     Die Chapatti sind also gemacht und ein Ahnungsloser würde sich jetzt vielleicht einfach daran bedienen, aber Vorsicht: die ersten drei Chapatti sind nicht für uns bestimmt! Eins ist für den Hund, eins für die Kuh und eins für Gott. Auch vom Sabji, von jede Süßigkeit oder dem Reis wird ein kleiner Teil nicht von uns gegessen, sondern ist für einen Gott bestimmt. Der ursprüngliche Gedanke geht sogar noch weiter: Nicht wir teilen das Essen mit der Gottheit, sondern die Gottheit mit uns.
  1. „Ghee is healthy“ (oder: unser ewiger Kampf gegen das Fett)     Ob auf die Chapatti oder auf Reis, Kitchuri (Reisbrei mit Linsen) oder Sokra (etwas dickere Hirsechapatti) – überall wird vor dem Essen noch fett Ghee (eine Art Butterschmalz) draufgeklatscht (Als ob die Gemüsesoße nicht genügend Fett enthielte). Zum Glück ist mittlerweile bekannt, dass das bei Linda und mir auf keine große Begeisterung stößt, sodass wir größtenteils verschont werden. Nur unsere Oma gibt noch nicht auf und fragt immer wieder aufs neue: „Ghee?!!!“. Ghee ist in Setrawa nun mal gesund, und daran werden wir nichts ändern können. So viele Frauen haben schon angesichts unserer Ghee-losen Chapatti verständnislos den Kopf geschüttelt und gemeint: „Ghee is healthy!“, während sie eine Armbewegung gemacht haben, die wohl heißen soll: Es macht dich schön kräftig! – Dass das nicht unbedingt unser größtes Ziel ist, verstehen nicht alle: Dünn-Sein ist in Setrawa für viele kein Schönheitsideal. Achso: Brote und Snacks wie Puri, Pakora und Samosa sind sozusagen Ausnahmen und werden zwar ohne den Butterschmal serviert – dafür aber frittiert... Auch das hat einen Grund: Mit Fett als Konservierungsmittel können sie länger aufbewahrt und später gegessen werden.
  1. Keine blauen und grünen Saris!     Meera trägt wie die meisten Frauen in Setrawa ausschließlich gelbe, orangene und rote Saris. Neulich hat sie erzählt wie sie kurz nach ihrer Hochzeit einen grünen Sari anprobiert hat und ihr Schwiegervater sehr sauer geworden ist: Blaue und grüne Saris trägt man bei Todesfällen oder als Witwe.
  1. No meat, no eggs!     Unsere Familie lebt wie die meisten in Setrawa vegetarisch. Es gibt ein großes hinduistisches Gebot, Ahisma, das besagt, dass keinem anderen Lebewesen Schmerzen zugefügt werden dürfen und das damit ja eine vegetarische Lebensweise nahelegt. Für viele Kasten bedeutet deshalb eine reine Ernährung den Verzicht auf Fleisch und Ei - da ich sowieso keine große Fleischesserin bin, ist das für mich auch nicht weiter schlimm. Es gibt aber auch Kasten, nicht vegetarisch leben.
  1. Keine Chaperl (Schuhe) auf die Seite des Haustempels stellen!     Das geht gar nicht! Schuhe gelten als unrein (ergibt ja auch irgendwie Sinn, da sie mit dem Schmutz auf der Straße in Berührung kommen). Man zieht also die Schuhe aus, bevor man ein Haus betritt, stellt sie nicht vor den Haustempel und: Wenn ihr einen Inder maximal erniedrigen wollt, zieht ihm mit einem eurer Schuhe eins über!
  1. Mit der rechten Hand essen.... (ihr wisst schon, wegen des Toilettengangs)... aber: mit der linken Hand die Chapatti aus der Chapatti-Box nehmen!

Meera vor unserem Shop

  1. Das Gesicht verbergen     Hierarchien werden in Indien von den meisten nicht unbedingt negativ gesehen. Ob in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz, oder innerhalb der Familie: Den höher gestellten, den Älteren, zollt man Respekt. Dieser Respekt kommt in vielerlei Weisen zum Ausdruck: Auf eine schöne Art, wenn Meera total schockiert reagiert, als ich ihr erzähle, dass meine Großeltern allein leben, da es hier selbstverständlich ist, die älteren Generationen mitzuversorgen. Und auf nicht so schöne Art, wenn Meera wie fast alle anderen Frauen auch ihr Gesicht hinter dem Ende ihres Saris verbergen muss, wenn sie in Setrawa Älteren begegnet. Beim Einkaufen, auf der Straße und zu Hause, wenn unser Gastopa ins Zimmer kommt.
  1. Der Nachtisch ist Vortisch     Lustiger Weise wird hier der Nachtisch vor dem Herzhaften gegessen und so kommt es jedes Mal, wenn wir bei einer Mahlzeit auch eine Süßigkeit probieren dürfen und trotzdem mit Roti und Sabji beginnen, zu einer kleinen Irritation: „You don´t like the sweets?“. Ich weiß nicht, warum die Reihenfolge hier andersherum ist, und die Frage ist ja auch eher: Warum essen wir denn das Dessert danach???
  1. Nicht zu zweit mit einem Besen im Zimmer sein! 
Donnerstag, 21.04.2016

Roti Jimmu?

Roti Jimmu? Do you like to eat?

Ihr wisst ja, das ich ein Fan der indischen (bzw. von Meeras) Küche bin, und ich will euch ja nichts vorenthalten! Deshalb kommt hier das Rezept von

 

 Meeras einmaligem und superleckerem Alu Ghobi

Ihr benötigt:

  • Ca. 5 Alu (=Kartoffeln), Pata Ghobi (=Blumenkohl) oder wenn ihr wollt geht z.B. auch: Alu und Phul Ghobi (=Kohl) oder: Bringal (=Aubergine)
  • 6 Tomaten
  • 1 grüne Chili
  • 3 ordentliche EL Öl
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1,5 TL Senfsamen
  • 1,5 TL Tumeric/ Kurkuma
  • 2 EL Rotes Chilipulver (wenn ihr es original wollt :D)
  • 1,5 EL Koriander Powder
  • Salz
  • etwas Wasser
  • grünen Koriander 

Und dann ist es eigentlich ganz einfach:

  1. Öl in einem Topf erhitzen und Kreuzkümmel zugeben, wenn es schön heiß ist. Dann Senfsamen dazu.
  2. Die restlichen Gewürze in den Topf geben und dann sehr schnell Tomaten und grüne Chili dazu, damit die rote Chili nicht anbrennt (Achtung mit dem Öl! Am besten gleich Deckel drauf!). Eventuell braucht ihr noch etwas Wasser für mehr Soße. Gut rühren, sodass eine rote Paste entsteht.
  3. Geschnippelte Kartoffeln und Blumenkohl dazugeben und köcheln lassen. Flamme klein stellen und eventuell noch mehr Wasser zugeben, später die Korianderblätter.
  4. Mit Chapatti oder Reis genießen!

Außen die Variante mit Aubergine Alu Rechts mit Paul Gobi, also Kohl