Berichte von 05/2016

Samstag, 21.05.2016

Heiß, heißer, Setrawa!!!

Nach den milden Temperaturen in den Bergen hat unser Körper wohl den dreifachen Schock bekommen, als wir nach Setrawa zurückgekommen sind. Um die 50 Grad!!!

Die Hitze ist echt unglaublich, wir schwitzen und schwitzen und die größte Freude ist es, wenn ich morgens (falls kein Stromausfall war) meine Wasserflasche aus dem Gefrierfach holen und mir in den Nacken halten kann! Ich merke, dass die Temperaturen meinem Körper echt zu schaffen machen, kein Wunder: So wie hier habe ich noch nie geschwitzt - ohne Pause und wirklich überall. Und wenn es die Viertelstunde durch Sand und pralle Sonne zum Center geht, müssen wir uns mittlerweile noch mehr schützen und unsere Gesichter verschleiern.

             Mit Lolita ... und unserem Opa

Trotzdem waren wir echt erstaunt bis geschockt, als wir diesen Artikel gelesen haben: India records its hottest day ever as temperature hits 51°C. Das Dorf Phalodi liegt nun auf Platz drei der Hitzerekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, nach Death Valley in den USA 1913 und Kebili in Tunesien 1931. 

Phalodi ist ca. 50 km von Setrawa entfernt!

Gestern abend ist Linda nun auch nach Jodhpur umgezogen und wir können uns jetzt für unsere Jodhpur-Wochenenden auf ihr kühles AC-Zimmer freuen! Für mich überwiegt aber erstmal der Abschiedsschmerz, unser - bzw. jetzt mein - Zimmer ist jetzt sehr leer. Zum Glück musste Linda Meera versprechen, ganz oft zu Besuch nach Setrawa zu kommen!

 

Dienstag, 17.05.2016

Gesichter Indiens

Unser zweiter größerer Urlaub ist vorbei und wir sind mit ganz vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen zurückgekehrt. Ich kann es nicht fassen, wie viele Seiten Indien hat und wie viele Gesichter es zeigen kann. Gesichter, die sich so ganz und gar von dem unterscheiden, was ich in Setrawa erlebe. Und deshalb konnten auch wir, nach mehr als einem Dreivierteljahr Indien, oft nur staunen, wenn wir mal wieder in eine neue Welt Indiens eingetaucht sind. Da gab es zum Beispiel...

 

...die Welt des Sikhismus                                                                                                             Der Goldene Tempel Linda, Leo und ich mit einem netten älteren Sikh        

Die erste Station unserer Reise war Amritsar, die bedeutendste Stadt für den Sikhismus in Indien, im Bundesstaat Punjab. Denn dort befindet sich der Tempel, den jeder Sikkh mindestens einmal in seinem Leben besucht haben sollte: der Goldene Tempel (Harmandir Sahib). Diese Religion, ihre Anhänger und der Tempel haben mich sehr beeindruckt und ich habe das Gefühl. dass ich die überwältigende Atmosphäre kaum beschreiben kann. Sobald wir an den See kamen, der den Tempel umgibt, hat es sich für mich angefühlt, als befände ich mich in einer Blase, die die Hektik und das Chaos, das sonst in Indien herrscht, von den Tempelbesuchern abschirmt. Man hört nur noch die Tempelgesänge, eine angenehme Brise weht über das Wasser und man reiht sich geduldig in die Schlage der Wartenden, die das Innere des Tempels besuchen wollen. Als Sikh taucht man auch einmal im Seewasser unter, meist den Säbel auf den Turban gebunden und in der „speziellen Unterhose“ Kachera. Das einfachste Erkennungsmerkmal für einen männlichen Sikh ist nämlich sein Turban, der kunstvoll um die Haare gewickelt wird, die sich ein praktizierender Sikh nicht schneidet, um seine Naturverbundenheit auszudrücken. Anhänger einer etwas strengeren Sekte tragen noch weitere Symbole wie den Säbel, die Unterhose oder einen Kamm.Und dann wären da noch die tausenden Freiwilligen, die den Tempel am Laufen halten. Die es z.B. möglich machen, dass kostenlose Mahlzeiten und Übernachtung angeboten werden können. Locker 300 bis 500 Menschen nehmen können gleichzeitig an den kostenlosen Mahlzeiten teilnehmen! Um die 100 000 jeden Tag!!! Es war unglaublich, sich in die Reihen zu setzen und mitversorgt zu werden und vor allem, danach noch beim Abwaschen zu helfen. Und zu spüren, wie klein, aber gleichzeitig auch nützlich, wir in diesem riesigen Ameisenhaufen waren, wo jeder das hilft, was er gerade möchte und solange er möchte. Als wir uns abends unsere Schlafsäcke geschnappt und uns an den See gelegt haben, konnte ich es einfach nicht fassen, was ich hier erleben durfte. Dabei war ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht morgens um Viertel vor drei von einem riesigen Putztrupp aufgewacht, der jeden Morgen den gesamten Tempel gründlich reinigt (Wer findet bitte um diese zeit mehr al hundert Leute, die freiwillig beim Putzen mithelfen??). 

mit dem Säbel beim Geldabheben Zwei Sikhs

Geschirr für die Mahlzeiten Beim Essen

Beim Abspülen .... Oder Knoblauchschnippeln                     

Selfie-TimeGanz vorschriftsgemäß mit Kopfbedeckung

 

...das kleine Tibet 

Schwierig also, Amritsar zu toppen – aber unser nächster Stopp McLeordGanj am Fuße des Himalaja hat doch recht gut mithalten können. McLeordGanj liegt über Dharamsala, wo auch die Residenz des Dalai Lama ist, und so leben auch sehr viele Exil-Tibeter dort. Wir haben einige Freiwillige von unserem Zwischenseminar besucht und durften auch bei ihren Arbeitsplätzen reinschnuppern. In der „Conversation Class“ haben wir uns mit einigen tibetischen Mönchen unterhalten und es ist teils amüsant, teils berührend, wenn ein Mönch dir von seiner in Tibet zurückgebliebenen Familie erzählt – oder eben, dass sein größtes Hobby Fußballschauen und Schwimmen ist.                          Conversation Class Im Tempel Mit Kong vom Vorbereitungsseminar und Tabea Buddhistisches Kloster

 

...das Touri-Leben

Tja, sobald wir Setrawa und Jodhpur verlassen haben, werden wir dann doch wie „normale“ Touris behandelt, vor allem in Orten wie McLeordGanj oder später Manali, wo es extrem viele westliche Touristen gibt. Das ist vielleicht manchmal etwas ernüchternd, aber es hat auch Vorteile: Cafés, Pizzerien und, und, und... (eine willkommene Abwechslung!). Jaa, wir haben uns auch einigen Luxus gegönnt!

 

...die Bergwelt                                                                                                                         ManaliEndlich wieder Berge! Und was für welche: Wir haben so einige Vier- bis Sechstausender zu Gesicht bekommen und als Flachland-Wüstenmäuse konnten unseren Augen kaum trauen... In der Umgebung von McLeordGanj und Manali, wo so langsam das Himalaya beginnt, haben wir superschöne kleinere Wanderungen gemacht, und waren sogar paragliden und canyonen, wo man sich Wasserfälle hinabseilt.

 Canyoning Kleine Wanderung von McLeordGanj nach Triund Auf Triund Manali

 

...das geplante Indien

Nur ganz kurz auf der Heimreise durchgefahren, aber trotzdem beeindruckend: Chandigarh. Die Stadt musste bei mir als Architektentochter ja was klingeln lassen, denn: Die Stadt wurde von dem berühmten Architekten Le Corbusier geplant (von dem ich auch in Europa schon einiges bewundern durfte, gell Papa) und befindet sich seit 1952 im Bau. Es war das damalige Vorzeigeprojekt von Präsident Nehru, der nach der Unabhängigkeit 1947 wohl der Welt zeigen wollte, was in Indien möglich ist. Und tatsächlich ist die Stadt sehr geordnet, grün und für indische Verhältnisse sehr entspannt (und es gibt klimatisierte Stadtbusse!!!).

 

...die Weite

Ja, die Weite Indiens kann man sich aus Deutschland glaube ich gar nicht vorstellen. Für unsere Rückreise aus Manali nach Jodhpur waren wir mal eben fast 40h unterwegs - und dabei haben wir nur Himachal Pradesh, Punjab und Rajasthan durchreist, das sind drei der 29 Bundesstaaten Indiens!                                                                                  Mal wieder im Zug