Samstag, 12.09.2015

Blumentopftragen, Mäuse und ein Luxushotel – Was für eine bunte Mischung!

Gerade kommen wir vom Pool des Luxushotels Ajit Bawan zurück, total entspannt und vollgegessen mit Feeta-Salat, Apple-Crumble und anderen Leckereien. Wir haben dieses Wochenende definitiv gleich ein paar der vielen Kontraste Indiens erlebt!

Letztes Wochenende sah da ganz anders aus. Wir mussten früh raus und haben mit den Kindern und Lehrerinnen ein bisschen hektisch und indisch-spontan das gesamte Center dekoriert: Girlanden wurden aufgehängt, Blumentöpfe bemalt und ein ganzes Zelt auf der Wiese davor aufgestellt. Warum? Wir haben hohen Besuch erwartet: der Minister Rajasthans für Jugend, Sport und Industrie (eine interessante Mischung, finde ich) und ein Abgeordneter der indischen Parlaments sind nach Setrawa gekommen.

Das Center Frauen und Kinder von Sambhali

Allerdings hat es eine ganze Weile gedauert, bis wir unsere Gäste empfangen konnten. Alle Kinder, Frauen, Lehrerinnen und Govind und Bunty aus Jodhpur waren zusammengekommen – und warteten. Warteten, warteten, warteten... – bis um vier Uhr! Und eine Viertelstunde später war alles vorbei.

Abgesehen davon, dass meine Geduld dabei ziemlich auf die Probe gestellt wurde, hat es mich doch beeindruckt, dass alle Kinder und Frauen bis zum Ende gewartet haben. Wir erleben ja täglich mit, wie viel Arbeit Meera im Haushalt hat, und das ist sicherlich keine Ausnahme. Dass sie trotzdem alle geblieben sind, sehe ich als ein großes Kompliment an Sambhali. Denn das war wichtig für Sambhali Trust: So hoher Besuch hinterlässt Eindruck. Bei den Dorfbewohnern, aber auch in Jodhpur.

Leni und ich hatten sogar noch eine besondere Rolle beim Empfang der Gäste. Da wir in unseren Röcken (Leni musste dafür extra nochmal nach Hause rennen und sich umziehen...) anscheinend sehr festlich gekleidet waren, durften wir unseren Besuch auf traditionelle Weise begrüßen. Was bedeutet: Wir standen mit zwei Blumentöpfen auf den Köpfen vor dem Tor. Ein lustiges Erlebnis!

Unter der Woche ist dann wieder der Alltag eingekehrt. Familienleben, Unterrichten, Besuche bei Pooja, einer Lehrerin von Sambhali, und Meeras Schwester, Schachspielen mit Chotu und – urtümlich angenommen – eine Maus, die sich an unseren Vorräten bedient hat. Wir haben dann eine Mausefalle aufgestellt – und schon drei Mäuse gefangen (aber wieder in die Freiheit nach draußen entlassen!).

       Sambhali-Kinder Sambhali-Kinder Die Busfahrt...

Am Freitag (ich kann nicht glauben, dass das erst gestern war!) sind wir dann zur Bushaltestelle Setrawas marschiert und haben auf einen Goverment Bus nach Jodhpur gewartet. Es hat dann ein Privatbus angehalten, der richtige Bus ist vorbeigefahren. Nach kurzem Zögern sind wir dann doch eingestiegen. Mannomann, so eine unbequeme Fahrt!

Aber das haben wir ja heute wieder wettgemacht. Ein Tag am Pool des Ajit Bawan, und ich komme mit einem Sonnenbrand am Bauch, aber total entspannt und zufrieden in die indische Welt zurück.