Donnerstag, 01.10.2015

Von Roti, Sabji und Chaval: Setrawa in Gerüchen (III)

Ihr wollt wissen, wie man in Indien überlebt? Ganz einfach: Ihr müsst im Prinzip nur drei Hindi-Vokabeln kennen: Die Zauberworte lauten Roti, Sabji und Chaval.

Tatsächlich haben viele Vokabeln, die ich bis jetzt kennengelernt habe, – wen wundert´s – mit dem indische Essen zu tun gehabt (konnte ich mir irgendwie auch immer ganz leicht merken...) und deshalb ist es höchste Zeit, dass ich euch von indischen pfannkuchenartigen Broten, Gemüsesoßen und Reis berichte.

Roti, also verschiedene Arten von Chapatti, sind hier in Nordindien der wichtigste Bestandteil des Essens. Meistens gibt es die Weizenchapatti, die ihr vielleicht auch kennt. Es gibt aber auch spezielle süße Chapatti oder Parathas, mit Kartoffeln oder Ghee gefüllte Chapatti, und hier auf dem Dorf auch Sokra, Hirsechapatti, die nur mit den Händen geformt werden (und die in unserer Familie immer die Oma machen muss, weil Meera es nicht so gut kann). Alle Sorten sind einfach super lecker und deshalb möchte ich auch unbedingt lernen, wie man sie zubereitet. Bis jetzt habe ich mich aber erst einmal an die einfachste Variante gewagt, man soll ja klein anfangen. Die Theorie kenne ich schon:

  1. Der Teig aus Weizenmehl, Ghee und etwas Salz ist eigentlich ziemlich einfach. Man muss nur gut durchkneten.
  2. Wenn es dann ans Auswellen geht wird es aber schwieriger. Meera hat da so eine spezielle Technik (die ich bis jetzt leider nur rudimentär beherrsche), sodass sich das Chapatti währenddessen dreht. Dann wird es nämlich perfekt rund, und das ist wichtig!
  3. Danach kommen die Chapatti in die Pfanne (ohne Fett, immerhin das...) bis sie leicht goldbraun sind. Mmmmh, das riecht schon so gut!
  4. Ganz am Schluss werden die Chapatti noch auf die offene Flamme gelegt und blähen sich wie ein Ballon auf.
  5. Und dann wird noch ordentlich Ghee draufgeklatscht. Mittlerweile haben wir aber erreicht, dass Meera das bei unseren Chapatti nicht macht...

        

Sabji, nun ja, das hört sich so gesund an, aber das Gemüse wird immer in ganz (gaaaaanz) viel Öl gekocht, weil die Soßen hier im Norden auf Ölbasis sind. Es gibt Bindi (Okra), Aloo (Kartoffeln), Ghobi (den teuren Blumenkohl), Tindi (eine Art kleinen Kürbis, den ich bisher nur in Indien gesehen habe), andere Kürbisarten, Bohnen und natürlich Dhal (eine Art Linsensuppe). Die Soßen sind immer sehr lecker mit natürlich viel Chili, Fenchel, Kurkuma und anderen Gewürzen zubereitet, aber überraschenderweise geht das mit der Schärfe sogar.

Chaval – ja Reis hat uns hier bisher als einziges Schwierigkeiten bereitet. Nicht, weil es das zu oft gäbe, nein: Weil es das fast nie gibt. Ich habe mir vor meiner Ankunft vorgestellt, dass ich nach meinem Jahr in Setrawa erst einmal eine Reis-Auszeit bräuchte, aber es ist wohl genau andersherum! An den Wochenenden in Jodhpur ist deshalb der Reis für uns immer ein großer Luxus - aber auch die Auswahl an Currys. Denn bei uns gibt es pro Mahlzeit eben immer eine Art von Sabji, in das die Chapatti gedippt werden. Oder man macht es auf indische Art und die Chapatti (die schönen, perfekt runden Chapatti!) werden zerrissen, Soße wird darüber gekippt und alles mit der Hand kräftig zermanscht. Linda und ich haben uns schon die Blicke vorgestellt, wenn wir das in einem indischen Restaurant in Deutschland machen, es sieht nämlich ziemlich gewöhnungsbedürftig aus!

Ihr wisst ja, dass ich ein großer Fan von indischem Essen bin, aber selbst ich hatte nach ein paar Wochen Chapatti zu jeder Mahlzeit die Brote ein bisschen über. Jetzt machen Linda und ich uns nach dem obligatorischen Chai jeden Morgen ein leckeres Müsli mit Granatäpfeln und Zimt. Und dann habe ich mittags schon wieder ziemliche Lust auf warme, duftende Chapatti mit Sabji.

Meera beim Kochen